Robinson-Geschichten : Vermeintliche Einsiedler

Die Geschichte des als "Waldjungen" bekannt gewordenen Robin aus den Niederlanden klingt spektakulär - und doch gibt sie immer mal wieder, die Geschichten von Findlingen. So wie die vom Kanu- und dem Piano-Mann in England und dem Waldmenschen bei Koblenz.

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Immer wieder gibt es Geschichten über "Waldmenschen" und andere Findlinge. Foto: dpa
Immer wieder gibt es Geschichten über "Waldmenschen" und andere Findlinge.Foto: dpa

Polizei und Jugendamt zweifelten seit Längerem an den ein wenig zu abenteuerlich anmutenden Aussagen des jungen Mannes, der als „Waldjunge Ray“ bekannt wurde. Er gab an, jahrelang lang mit seinem Vater durch die Natur gezogen zu sein. Nachdem der Vater tödlich gestürzt sei, hätte er ihn in einer Grube unter Steinen beerdigt. Der Junge zog, so berichtete er es, weiter, bis er schließlich Berlin erreichte und plötzlich vor dem Roten Rathaus stand.

Das klingt spektakulär, und doch gibt sie immer mal wieder, die Geschichten von Findlingen. Die wohl bekannteste trug sich im frühen 19. Jahrhundert zu, als ein gewisser Kasper Hauser in Nürnberg auftauchte. An seiner Erzählung, dass er bis dahin Zeit seines Lebens in einem dunklen Räumen gefangen gehalten wurde, zweifelten einige allerdings schon damals.

Doch auch in der jüngeren Vergangenheit gab es Fälle von Menschen, die vermeintlich eine Zeitlang als Einsiedler lebten. Manche flüchteten wirklich vor der Zivilisation, manche vor der Strafverfolgung, und einige vor ihren persönlichen Problemen. So wurde 2005 ein Mann in nasser Kleidung und ohne Ausweis an der britischen Kanalküste aufgegriffen. Weil er monatelang schwieg und nur mit seinem Klavierspiel auffiel, trug er schnell den Namen „Piano-Mann“. In Wirklichkeit war das musikalische Talent des Mittzwanzigers jedoch limitiert. Wie sich herausstellte, stammt er aus einer Landwirt-Familie aus Bayern und litt unter psychischen Problemen.

Noch mysteriöser kam die Geschichte des John Darwin daher, der 2007 auf der Londoner Polizeiwache auftauchte und sich nach eigenen Angaben nur noch an seinen Namen und die letzte Wohnhaft erinnern könne. Eine Lüge. Fünf Jahre lang galt der als „Kanu-Mann“ bekannt gewordene Engländer schon als tot, nachdem er von einer Kanutour in der Nordsee angeblich nicht mehr zurückgekehrt war. Eigentlich versteckte er sich aber nur, damit seine Frau Witwenrente bekam und sich die Lebensversicherung ausbezahlen lassen konnte. So wollte das Paar seine Schulden loswerden und sich irgendwann ins Ausland absetzen – es klappte nicht.

Auch der inzwischen als Robin v. H. aus den Niederlanden identifizierte junge Mann gab nun zu, die Geschichte über seinen Leben in den Wäldern und Höhlen erfunden zu haben.

Vor zwölf Jahren gab es aber tatsächlich mal einen Mann, der dieses Leben führte. Der sogenannte „Waldmensch“ war Anfang 2000 als Tourist  nach Deutschland eingereist. Viele Jahre lebte der US-Amerikaner bei Koblenz abgeschieden und unentdeckt im Wald. Irgendwann flog er auf. Und das Koblenzer Amtsgericht verurteilte ihn 2007, weil er nicht nur keine gültige Aufenthaltsgenehmigung besaß, sondern bei seiner Festnahme auch 138 Gramm Cannabis in seinem Unterschlupf gelagert hatte.

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