Berlin : Roboter-OP: Fünf Patienten klagen Automat bereitete Einsatz künstlicher Hüften vor

Ingo Bach

Sie galten als die Spitze der High-TechMedizin: Roboter, die operieren können. Auch in Berliner Kliniken frästen die Automaten bei hunderten Patienten Oberschenkelknochen aus, in denen Schäfte künstlicher Hüftgelenke verankert wurden. Doch sie sind auch heftig umstritten: Sie sollen für schmerzhafte Komplikationen verantwortlich sein. Bundesweit schlossen sich jetzt rund 500 Patienten zusammen, die seit dem Robotereingriff an Krücken gehen oder über anhaltende Schmerzen klagen. Auch neun Berliner sind darunter. Doch die Klinikchefs sind von den Vorteilen der Methode überzeugt und wollen daran festhalten.

Die Geschädigten haben Verfahren vor der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen angestrengt. Sie glaubten den Versprechungen der Mediziner, dass der Automat die Knochen präziser ausfräsen könne als ein Chirurg, die Prothese deshalb besser passe und der Patient so schneller genese. Doch selbst nach der Rehabilitation im Anschluss an die Operation seien die Schmerzen und Gehbehinderungen geblieben, sagt der Freiburger Rechtsanwalt Jochen Grund, der fünf Berliner Geschädigte vertritt. „Wenn der Chirurg den Roboter bei der OP einsetzt, muss er den Gesäßmuskel abtrennen, um den Knochen freizulegen“, sagt Grund. Diese Narben könnten dazu führen, dass manche Patienten ein Leben lang hinkten. „Bei einer herkömmlichen Operation dagegen schneidet der Chirurg den Muskel nur längs auf. Dadurch verheilt dieser besser.“

Die Berliner Kliniken, die den rund 300 000 Euro teuren Roboter Ende der 90er Jahre angeschafft haben, weisen diese Vorwürfe zurück. „Wir haben die Operationen mit Roboterhilfe mit den herkömmlichen Eingriffen verglichen“, sagt Thomas Kersting, Ärztlicher Direktor der DRK-Kliniken Berlin. Das Ergebnis: Es gebe kein höheres Risiko für die Patienten durch die neue Methode. Seit Mai 1999 haben die Chirurgen in den beiden DRK-Häusern in Westend und Köpenick 350 Hüften mit Hilfe ihres automatischen Assistenten operiert. Zwei Patienten davon haben sich an die Schlichtungsstelle gewandt. „Wir bieten diese Methode weiterhin an.“ Aber nach den negativen Berichten werde es wohl schwer, Patienten von den Vorteilen zu überzeugen.

Auch am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn wurde mit dem Roboter gefräst – von 1999 bis 2003 an insgesamt 50 Hüften. Auch hier fordern zwei Patienten Schadenersatz, weil sie sich schlecht behandelt fühlen. Die Verfahren laufen noch. „Im Januar 2003 wurde das Gerät stillgelegt“, sagt Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor des UKB. Der Grund: Die Herstellerfirma ging pleite. „In solchen Fällen darf laut Medizinprodukte-Gesetz die von dieser Firma gelieferte Medizintechnik nicht mehr benutzt werden.“ Trotzdem ist Ekkernkamp von der neuen Methode überzeugt. „Bei bestimmten Befunden ist ein Operationsroboter eine große Hilfe.“ Vor allem bei Kniegelenksoperationen habe man so erstklassige Ergebnisse erreicht. „Trotz der Negativ-Schlagzeilen wird der Roboter bald zum Standard gehören.“

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