Rockband auf dem Maifeld : Als Pink Floyd eine Riesenschweinerei in Berlin veranstalteten

Vor 20 Jahren zeigte die britische Rockband Pink Floyd auf dem Maifeld im Berliner Westend eine ebenso gigantische wie umstrittene Show - die sich am noch recht frischen Mauerfall entlanghangelte.

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Das knallt. Eine große Show boten Pink Floyd auch im August 1994 auf dem Maifeld. Diese Aufnahme entstand allerdings im April desselben Jahres bei einem Auftritt in Oakland, Kalifornien. Foto: Jay Blakesberg / fotex Foto: www.fotex.de
Das knallt. Eine große Show boten Pink Floyd auch im August 1994 auf dem Maifeld. Diese Aufnahme entstand allerdings im April...Foto: www.fotex.de

Pink Floyd muss man hassen oder lieben, dafür ist die Band da. Jene, die sie lieben, waren klar in der Mehrheit, als vor genau 20 Jahren, am 21. August 1994, das riesige Maifeld gerade recht war, um die Musiker, eine 80 Meter breite Bühne, 300 Lautsprecher, acht Kräne und anderes technisches Gerät sowie 100.000 Menschen angemessen unterzubringen. Dabei waren außerdem ein paar hundert Mitarbeiter von Volkswagen, jenem Unternehmen, das die Veranstaltung eilfertig unterstützte, obwohl die sich vermutlich finanziell auch gut allein getragen hätte. Außerdem hatte eine Gruppe christlicher Fundamentalisten einen Zwischenstopp auf dem Weg von der Droge zu Gott eingelegt.

David Gilmour, Nick Mason und Rick Wright waren also wohl da, auch wenn sich das wegen der schieren Größe der Veranstaltung wohl kaum rechtssicher bestätigen ließ. Und obwohl gerade das selbst von Fans ziemlich kritisch beäugte Album „Division Bell“ erschienen war, konzentrierte sich das Konzert spätestens in der zweiten Hälfte auf die schon damals alten Sachen, auf „Shine on you crazy diamonds“ , „Another brick in the Wall“ , „Wish you were here“ und „Money“. Verlässliches zum Mitsingen also statt mäßiger aktueller Bemühungen.

Abstürzende Riesenschweine und zappelnde Schnittmuster

Dazu gab es, unvermeidlich, die erst fliegenden und dann abstürzenden Riesenschweine, es wurden surrealistische Videoclips gezeigt und zappelnde Schnittmuster aus der Laserkanone. „Kaffeefahrt zum Stahlgewitter“ stand über der Tagesspiegel-Rezension, ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass Autor Harald Martenstein dem Spektakel eher abgeneigt war.

Aber auch andere Konzertberichte (taz: „Die Saurier lassen Schweine fliegen“) sprachen mehr über das Donnergrollen, Zwitschern, Plätschern und Gluckern auf der Bühne als über die eigentliche musikalische Performance. „Ein bisschen Musik für Sie“ hatte Gilmour am Anfang auf Deutsch angekündigt, und genau das passierte dann auch irgendwie, denn diese Musik schien doch nur der Anknüpfungspunkt für eine Überwältigungsshow zu sein, die sich auch am Mauerfall und dem damals noch recht frischen Ost-West-Ding entlanghangelte.

Das Maifeld hat den Angriff bekanntlich überlebt. Und die Musiker-Karawane zog gelassen weiter nach Gelsenkirchen.

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