Rocker auf dem Myfest : Keiner will Hells Angels geladen haben

Die Präsenz von Rockern der Hells Angels auf dem Kreuzberger Myfest hat viele Gäste irritiert. Auch Politiker sind empört.

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Friedlich und harmonisch will das Myfest sein. Dass ausgerechnet diese Herren mitfeierten, stieß vielen am Sonntag negativ auf: Vor einer Bühne am Oranienplatz hatten, wie berichtet, mehrere dutzend Mitglieder der Hells Angels starke Präsenz gezeigt – und sich laut Augenzeugen als Sicherheitskräfte gebärdet. Über mehrere Stunden hinweg hatten sie sich im eigentlich abgesperrten Bereich unmittelbar um die Bühne herum postiert. Normale Festbesucher haben zu dieser sensiblen Zone keinen Zutritt, die Rocker wurden eingelassen und willkommen geheißen.

Innensenator Ehrhart Körting hatte die Ankunft der Rocker selbst erlebt, „ich war etwas verblüfft“. Sie umarmten die offiziellen Securitys, offensichtlich gebe es eine Verbindung zwischen der beauftragten Firma und dem türkischen Zweig der Hells Angels. Dass Rocker die Bühne „betreuen“ würden, sei weder der Polizei noch dem Bezirksamt bekannt gewesen, sagte Polizeipräsident Glietsch. Er forderte die Organisatoren des Myfests auf, im kommenden Jahr Druck auf die Firma auszuüben. Es dürfe nicht sein, „dass Rocker für die Sicherheit zuständig sind“.

Empört war auch Tom Schreiber, SPD-Mann im Abgeordnetenhaus. Er beobachtete das Treiben aus der Nähe und ist überzeugt, dass die Hells Angels weit mehr waren als Besucher: „Wer so etwas behauptet, der lügt schlicht.“ Schreiber findet es fatal, dass „solche Leute salon- und gesellschaftsfähig gemacht werden“. Er fordert Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) auf, zu prüfen, was bei der Sicherheitsplanung schiefgelaufen sei. „Und dann muss er das abstellen.“

Von den Organisatoren des Myfests, dem Verein „Berlin lacht!“, war am Montag keine Stellungnahme zu bekommen – sie verweisen an das Bezirksamt, das allein zu Auskünften befugt sei. Bezirksbürgermeister Schulz dagegen will erst der Betreiberin der betroffenen Bühne Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben. Sie war gestern nicht erreichbar für ihn. „Wurden die Hells Angels wirklich als Ordner eingesetzt, wäre das von Bedeutung.“ Der Rockerklub könne selbstverständlich kein Kooperationspartner des Bezirksamts sein.

Schon im Vorjahr hatte es in Berlin einen ähnlichen Vorfall gegeben. Beim Kinderfest „23 Nisan“ im Tiergarten hatten mehrere Hells Angels als Wachleute gearbeitet. Laut dem Veranstalter ein Versehen: Beim Engagieren der ehrenamtlichen Sicherheitskräfte habe man nicht gewusst, um wen es sich handelte. Vielmehr habe ein Bekannter die sieben Personen empfohlen – „als Menschen, die bei unterschiedlichsten Veranstaltungen Sicherheit garantieren“. Nachdem die Identität der Männer bekannt geworden war, hätten die anderen 60 Ordner „ein besonderes Auge auf sie geworfen“. In diesem Jahr habe man darauf geachtet, keine Rocker als Wachschutz zuzulassen. Ha/sel

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