• Rocker erhielt Bewährung für Angriff mit Machete 24-jähriger „Bandido“ hatte „Hells Angels“ verletzt

Berlin : Rocker erhielt Bewährung für Angriff mit Machete 24-jähriger „Bandido“ hatte „Hells Angels“ verletzt

Opfer erschienen nicht zum Prozess

Kerstin Gehrke

Die Blutspur führte direkt zu den Räumen der „Hells Angels“. Rettungssanitäter versorgten bereits zwei Verletzte, als Polizisten bei den Rockern erschienen. Die Opfer aber schwiegen und zeigten sich auch später nicht besonders kooperativ. Streng nach der eisernen Regel: Rocker reden nicht mit Polizisten. Auch wenn es um einen Angriff der verfeindeten „Bandidos“ geht. Für den gestrigen Prozess schickten die Opfer Entschuldigungen.

Zur Verhandlung gegen die 23 und 24 Jahre alten Männer wurden strenge Sicherheitsregeln verhängt. Kadir P., der Ältere, ist Vizepräsident eines Chapters der Bandidos. Die beiden Rockerclans gelten als Todfeinde, die um die Vormachtstellung kämpfen. Es geht nach Erkenntnissen der Polizei um wirtschaftliche Interessen und Gebietsansprüche, um die Frage, wer in Clubs und Diskotheken die Türen kontrolliert. „Immer wiedergibt es Auseinandersetzungen. Sie nehmen an Brutalität und Frequenz zu“, sagte Ankläger Dirk Eckert am Rande des Prozesses. Im Saal B 129 aber war nicht eine Lederjacke zu sehen.

Mit einem Baseballschläger und einer Art Machete hatten die Täter zugeschlagen. Der Angriff in der Nacht zum 27. Februar ereignete sich vor dem Clubhaus der Hells Angels am Spandauer Damm. Die Opfer, darunter ein Chapter-Vizepräsident, wollten gerade in ein Auto steigen, als sie ohne Vorwarnung angegriffen wurden. Die Machete traf einen der Männer am Unterarm. Ein Hieb, der sämtliche Sehnen und Muskeln durchtrennte.

Während der jüngere Angeklagte schwieg, präsentierte Kadir P. eine Version, die deutlich von der der Anklage abwich. Er sei mit zwei Personen im Auto unterwegs gewesen, „die keine Mitglieder der Bandidos waren, aber deren Ideen nahe standen“. Als sie am Vereinshaus der Hells Angels vorbeikamen, hätten seine Mitfahrer von einer Abreibung gesprochen. Er habe sich nicht daran beteiligt. Alles sei blitzschnell gegangen. „Man kann mir den Vorwurf machen, dass ich sie nicht zurückgehalten habe.“

Die Opfer hatten erklärt, dass sie keine Person erkannt hätten. „Warum wurden gerade Sie überfallen“, wurde einer der Männer damals gefragt. „Kann ich mir nicht erklären“, sagte er. „Ich denke, dass es Zufall war.“ Es wäre nicht zum Prozess gekommen, wenn die Polizei die Rockerclans nicht bereits im Visier gehabt hätte. Mehrere Videokameras waren in der Nähe des Clubhauses installiert worden – zur „Gefahrenabwehr“. Eine dokumentierte zumindest einen Teil des Überfalls. Kadir P. konnte auf den Bildern identifiziert werden. Der zweite Täter ähnelte von Statur und Frisur dem Mitangeklagten, der kurz nach dem Überfall im Clubhaus der Bandidos angetroffen wurde.

Mehr als das, was er zugegeben hatte, war P. nicht zu beweisen: Eine Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung. So sah es auch der Staatsanwalt. Er forderte eine Strafe zur Abschreckung: „Hier hat sich eine Subkultur gebildet, die meint, sie müsse sich nicht an die Regeln halten“, sagte er. Von einem „Krieg“ wollte er aber nicht sprechen, weil die gegnerischen Parteien „keine Ziel haben“. Gegen den Ersttäter Kadir P. erging ein Jahr Haft auf Bewährung. Der Mitangeklagte wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kerstin Gehrke

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