Rockerszene : Der Machtkampf geht weiter

Die Polizei lehnt ein Programm für Aussteiger aus der Rockerszene ab.

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Berlin - Ein Aussteigerprogramm für Rocker wird es nicht geben. Dies sagten Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Ein derartiges „ausformuliertes“ Programm funktioniere schon deshalb nicht, weil es sich bei der Rockerszene um keine ideologische Vereinigungen wie bei Links- oder Rechtsextremisten handele. Stattdessen werde kriminellen Rockern vor Gericht eine Art Kronzeugenregelung angeboten. Nach Angaben von Kriminaldirektor Uwe Wilhelms wurden in den vergangenen Jahren bei sechs Prozessen derartige Angebote unterbreitet. Kandt sagte, dass der immense Verfolgungsdruck zu „einer Verwirrung der Szene“ führe. Jeder Ermittlungserfolg sei letztlich ein „Abschreckungsfaktor“, damit junge Männer das Interesse an den Clubs verlieren.

Wilhelms berichtete weiter, dass die Machtverschiebung zugunsten der Hells Angels und zulasten der Bandidos noch nicht abgeschlossen sei, „die Lage ändert sich monatlich“. Derzeit gebe es gut 1000 Rocker in Berlin.

Mit zur Verunsicherung der Szene haben auch die Aussagen zweier Aussteiger gegen einstige Bandidos-„Brüder“ beigetragen. Am Montag wurde einer von ihnen im Prozess gegen drei mutmaßlich kriminelle Bandidos-Rocker befragt. Der Aussteiger, der sich im Zeugenschutzprogramm befindet, hatte mit seinen Angaben zu Ermittlungsverfahren mit mehr als 20 Beschuldigten geführt.

In seinem damaligen Motorradclub sei mit Amphetaminen, Speed und Kokain gedealt worden, bestätigte der 30-Jährige vor dem Landgericht. Den drei Angeklagten im Alter von 29, 31 und 36 Jahren wird bandenmäßiges Handeln mit Amphetaminen zur Last gelegt. Bei der Vermarktung sollen sie die Netzwerkstrukturen der Clubs Bandidos Berlin Del Este und Brandenburg Del Este sowie deren Unterstützerclubs ausgenutzt haben. Es sei für bestimmte Mitglieder auch kein Problem gewesen, Waffen zu beschaffen, sagte der Kronzeuge. Als er aus dem Motorradclub ausschied, hätten seine Ex-„Brüder“ einen Jahresbeitrag von 2400 Euro als „Abstand“ von ihm verlangt. Der Prozess geht am Mittwoch weiter. K.G./Ha

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