Berlin : Rocky muss erst in den Knast, um rauszukommen

Weil Graciano Rocchigiani Freigang hatte, konnte er gestern nicht entlassen werden. Seine Bewährung dauert drei Jahre

Katja Füchsel

Er ist wieder ein freier Mann, zumindest theoretisch. Am Freitag hat das Kammergericht entschieden, dass der frühere Box-Weltmeister Graciano Rocchigiani seine Strafe nicht komplett bis Ende Januar absitzen muss. Nur offiziell entlassen konnte man „Rocky“ gestern in der JVA Tegel nicht: Der Boxer war bereits auf Freigang. „Er muss jetzt nur noch mal rein, um seine Sachen abzuholen“, sagt Verteidiger Björn Ziegler.

Und dann wieder raus, um endlich seine Pläne wahr werden zu lassen. Mit seiner Freundin Eileen will Rocchigiano jetzt zusammenziehen. Und was noch? „Kein Kommentar“, sagt Rechtsanwalt Ziegler. Zuvor wolle er sich in den nächsten Tagen „in aller Ruhe“ mit seinem Mandanten zusammensetzen, um mit ihm über die Zukunft zu reden.

Das Landgericht jedenfalls hatte Rocchigianis frühzeitige Entlassung mit seiner günstigen Sozialprognose begründet. Vorausgesetzt, der 38-Jährige führt seine bereits im Knast begonnene Therapie fort. Tatsächlich gibt es auf der Couch eine Menge zu besprechen: die Alkoholeskapaden der letzten Jahre, die Prügeleien, Beleidigungen, Trunkenheitsfahrten. . . Erst im Oktober stand Rocchigiani erneut vor Gericht, weil er auf einen Polizisten losgegangen war. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Monaten Haft auf Bewährung.

Insgesamt drei Jahre darf „Rocky“ sich nichts zuschulden kommen lassen, wenn er ein freier Mann bleiben will. Und vielleicht wird er ja dazu auch noch bald ein reicher Mann sein. Denn im September hatte ein New Yorker Gericht Rocchigiani rund 31 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen, da ihm nachträglich der 1998 gewonnene Weltmeistertitel im Halbschwergewicht aberkannt worden war. Mehr als zwei Jahre war der Boxer wegen der Querelen nicht mehr in den Ring gestiegen.

Aber auch, wenn Rocchigiani noch etwas auf sein Geld aus Amerika warten muss, wird er bis dahin voraussichtlich nicht auf der Straße sitzen. Die Berliner Box-Promoterin Eva Rolle hat bereits angekündigt, sich nach der Haftentlassung um Rocchigiani kümmern zu wollen. Geplant sei, dass er als Box-Trainer für Kinder und Jugendliche arbeitet. Ebenfalls nicht ausschließen will die Promoterin ein Comeback Rocchigianis. Nicht vor Gericht, im Ring, versteht sich.

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