Berlin : Rohbau der Delbrück-Bank: Stockwerk für Stockwerk - neun in einer Woche

Christian van Lessen

Morgen sieht er wieder anders aus: Der gerade noch achtstöckige Rohbau der Delbrück-Bank am Potsdamer Platz, direkt neben dem gläsernen Bahn-Hochhaus auf dem Sony-Gelände. In der nächsten Woche wird der Rohbau täglich sein Gesicht verändern. Von heute an wächst er so schnell wie kaum ein Berliner Hochhaus vor ihm. Ungefähr viereinhalb Meter am Tag - oder eineinhalb Geschosse. Ständig wird von zwei Kränen in luftiger Höhe Beton nachgegossen. Bis neun weitere Etagen errichtet sind und die Endstation erreicht ist. "Vor der Love Parade müssen wir es geschafft haben", sagt Bauleiter Carsten Frank von der Firma Züblin.

Der Terminplan ist so knapp kalkuliert, weil die Firma befürchtet, dass wegen der Absperrungen zum Techno-Spektakel die Betonlaster nicht rechtzeitig die Baustelle am Potsdamer Platz erreichen. Wäre dann nicht alles gegossen, könnte der letzte Beton in der Gleitschalung fest werden, die Bauarbeiten gerieten ins Stocken. Das ist etwas, was die Bauleute um den Schlaf bringen kann; und deshalb ist Carsten Frank zum Wochenende auch mit 45 Arbeitern auf der Baustelle in Berlin und nicht zu Hause in Stuttgart. Sie können nicht neun komplette Rohbau-Stockwerke in einer Woche schaffen. Aber sie sind entschlossen, vier neue "Kerne", zwei für Treppenhäuser und zwei für Aufzüge, in Rekordzeit hochzuziehen.

Die vier Türme ragen zunächst wie Zahnstocher aus dem Rohbau, dann werden die zum Teil vorgefertigten Geschossdecken herangehängt, ein Stockwerk kann innerhalb einer Woche fertig gestellt werden. Im Oktober sollen die Rohbauarbeiten beendet sein, ein Jahr später können die ersten Mieter ins Bürohaus ziehen. Es wird mit seinen Abstufungen dem rotbraunen Klinkerhochhaus gegenüber ähneln, allerdings mit einer fast weißen Granitfassade geschmückt sein. Architekt ist hier wie dort Hans Kollhoff.

Der kleine Bruder des rotbraunen Riesen ist schon jetzt trotz seiner leeren Fensterhöhlen und des nackten Betons zu einem beliebten Fotomotiv geworden. Das Haus steht zu zwei Dritteln über dem neuen Fernbahntunnel, was die Gründungsarbeiten nicht erleichterte. Dafür und für den Bau der zwei Untergeschosse war die Firma Dyckerhoff & Widmann verantwortlich, das Unternehmen Züblin übernahm die Obergeschosse und den Ausbau des 120-Millionen-Projekts. Noch steht es fast allein auf weiter Flur an der Ebert- und Bellevuestraße, nebenan ist eine große Baugrube für das bis 2003 geplante Beisheim-Center ausgehoben; ein Stück des betonierten Bahntunnels ist zu sehen. Das nach Bahnarbeiten verfüllte Erdreich, das sich im Frühjahr als teilweise vergiftet herausgestellt hatte, wird noch abgetragen, neuer Boden angefahren. In den Tiefen des Delbrück-Baus hatte man nach Angaben der Baufirmen kein Gift entdeckt.

"Bellevue" heißt das Tochterunternehmen der Bank, das den Bau mit schöner Aussicht auf den Potsdamer Platz errichten lässt. "Ein schöner Rohbau" sagt Bauleiter Carsten Frank und er freut sich, dass noch keine Gerüste die Sicht versperren. Aber Dienstag werden die ersten montiert. Denn während der Bau täglich von Stockwerk zu Stockwerk mehr zum Hochhaus wird, beginnt unten der Innenausbau. Dann werden im ersten Stock schon die Fenster eingesetzt.

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