Berlin : Rohrbombe galt einem Krebsarzt

Es war bereits der zweite Anschlag auf den Mediziner, der dabei schwer verletzt wurde. Polizei vermutet ein Motiv im persönlichen Bereich

Jörn Hasselmann

Auf einen Wilmersdorfer Krebsarzt ist am Mittwochabend ein Bombenanschlag verübt worden – und zwar der zweite in diesem Jahr. Der 45-jährige Mediziner Ruben H. erlitt schwerste Gesichtsverletzungen, vermutlich wird er ein Auge verlieren. Lebensgefahr besteht nicht. Die ferngesteuerte Bombe detonierte um 20.10 Uhr vor der Tür des Hauses Eisenzahnstraße 56 in Wilmersdorf. Da die Kripo in der Umgebung einen weiteren Sprengsatz vermutete, kam der Sprengstoffroboter der Polizei „Teodor“ zum Einsatz, der unter anderem den Toyota Yaris des Arztes untersuchte. Am 26. April diesen Jahres hatte ein Sprengsatz auf der Motorhaube des Toyotas gelegen. H. hatte an diesem Aprilsonntag nachts mit Freunden seine Wohnung an der Berliner Straße in Wilmersdorf verlassen. Damals hatte er das Paket einfach vom Auto gestoßen, beim Aufprall detonierte es dann. Verletzt wurde der Mediziner nicht. Da ein politischer Hintergrund ausschied, übernahm eine Mordkommission die Ermittlungen, diese wurden jedoch kürzlich ohne Ergebnis eingestellt. Als Motiv komme nur ein ganz persönliches in Betracht, sagte der Leiter der Mordkommissionen, André Rauhut, dem Tagesspiegel. Der Täter muss Ruben H.’s Leben genau beobachtet haben – dass er eigentlich bei einem Freund in der Eisenzahnstraße lebt und nicht in der eigenen Wohnung.

Ruben H. wurde auf den Philippinen geboren, ist aber deutscher Staatsangehöriger. Seit 1997 arbeitet er für den Verein „Home Care“, der sterbenskranke Krebspatienten zu Hause betreut. „Reich wird man damit nicht“, sagte Kollege Dr. S. Ein enttäuschter Patient scheide aus, heißt es bei Home Care: „Unsere Patienten wissen, dass sie bald sterben, wenn sie zu uns kommen“, sagte die Geschäftsführerin Susanne Woskanjan. H. habe seinen Kollegen nach dem ersten Anschlag „lachend“ davon erzählt und sich als Zufallsopfer dargestellt.

Doch das war er nach Auffassung der Polizei nicht; sie geht vielmehr vom Gegenteil aus. Beide Sprengfallen seien mit Fachwissen recht aufwändig gebaut – und zwar vom selben Täter. Die erste hatte einen Bewegungszünder, die zweite war vermutlich aus wenigen Metern Entfernung ferngesteuert. Wieso der Täter derart viel Zeit und Energie aufwendet, um komplizierte Sprengfallen zu bauen, darüber rätselt die Mordkommission. „Normalerweise nimmt ein Täter einfach eine Pistole“, sagte Rauhut.

Die Kripo sucht jetzt Zeugen, die am Mittwochabend in der Eisenzahnstraße etwas Verdächtiges beobachtet haben oder sonstige Angaben machen können. Hinweise nehmen die kriminalpolizeilichen Ermittler unter der Telefonnummer 664327112 entgegen.

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