Berlin : Rollender Protest legt City lahm

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Zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen haben Berlins Taxifahrer gestern ihrem Unmut über die schlechte finanzielle Lage in ihrer Branche Luft gemacht. Diesmal hatte die „Innung des Berliner Taxigewerbes e.V.“ – mit 800 Unternehmern der stärkste Verband der Stadt – zur Demo aufgerufen. An die 1200 Fahrer waren gefolgt und legten hupend und mit eingeschalteten Warnblinkanlagen in einer etwa vier Kilometer langen Kolonne den Straßenverkehr vom Kurfürstendamm bis zur Karl-Liebknecht-Straße für eineinhalb Stunden lahm.

Gegen Ende der Demo um 12.45 Uhr übergab Wolfgang Wruck, Vorsitzender der Innung, vor dem Roten Rathaus ein Resolutionspapier an einen Sprecher des Senats. Zentrale Forderungen sind eine Obergrenze für Taxikonzessionen in Berlin und die Verhinderung der geplanten Standgebühr am Flughafen Tegel. Wruck spricht von einem Umsatzeinbruch von 25 bis 30 Prozent. Ursache sei die zu große Zahl an Taxifahrern und der durch zusätzliche Gebühren steigende Kostendruck. „Von dem Geld, das wir einnehmen, kann ja keiner leben“, meint auch Hermann Sieber. Der 62-Jährige, der schon bei der Demo am vergangenen Mittwoch dabei war, ist seit 30 JahrenTaxifahrer in Berlin.

Neben den von Wruck angeführten Punkten macht Sieber auch die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich: „Berlin ist eine arme Stadt geworden. Vor 20 Jahren habe ich 30 Touren am Tag gemacht. Heute habe ich, wenn ich Glück habe, gerade noch 10.“ Es könne nicht sein, dass man drei Stunden am Taxistand stehe und auf Gäste warte. Beschränkungen bei der Konzessionsvergabe seien daher unabdingbar.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält solche Beschränkungen aber für rechtlich unzulässig. Sie seien nur möglich, wenn dem gesamten Gewerbe der Zusammenbruch drohe, sagte eine Behördensprecherin dem Tagesspiegel. „Das ist aber nicht der Fall.“ Wegen der Gebühr am Flughafen Tegel wolle man versuchen, alle Beteiligten nochmals an einen Tisch zu bringen. Auch unter den Taxifahrern gibt es Kritiker der Initiative der Innung. „Die Politik hat damit nichts zu tun“, meint einer, der seinen n lieber nicht nennen möchte. „Das Taxigewerbe ist verkrustet und der Service scheiße.“ Daran müsse man etwas ändern und neue, flexiblere Angebote einführen. Außerdem gebe es noch den „Widerspruch, dass die Kollegen auf die kleinste Demonstration schimpfen, und dann legen sie selbst die ganze Stadt lahm.“ Christian Eckert

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