Berlin : Rollheimer ohne Standort: "Laster und Hänger" hängen herum

kört

Seit November vorigen Jahres haben die Rollheimer, die fünf Jahre in einer Wagenburg am Volkspark Friedrichshain in Prenzlauer Berg lebten, keinen Standplatz. Die rund 25 Bewohner nennen sich "Laster und Hänger" und fahren seitdem vereinzelt vor allem in Friedrichshain und Kreuzberg hin und her, mal mehr, mal weniger geduldet von der Polizei. Denn das Übernachten in einem Fahrzeug ist auf öffentlichem Straßenland nicht gestattet. "Die Suche nach einem Standplatz geht weiter", sagt Moritz Heusinger, der Rechtsanwalt der Rollheimer. Nachdem Versuche, einen Platz in Prenzlauer Berg zu finden, scheiterten, bemühen sich die Wagenburgler zurzeit um einen Standort in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Wagenburgler haben dem Amt als Anregung eine Liste mit rund 20 Grundstücken vorgelegt, von denen einige allerdings in Privatbesitz sind.

Im Bezirksamt ist man indessen zurückhaltend. "Das ist eine kitzlige, politische Geschichte", sagt Baustadtrat Franz Schulz (Bündnis 90 / Grüne). Die offizielle Version: Der Bezirk befürwortet die Lebensform in fahrenden Unterkünften, hat aber keine geeigneten Flächen, um die Wagen unterzubringen. Darauf verständigten sich die Stadträte. Ein neuer Antrag der Bezirksverordneten, den Rollheimern eine Fläche bereitzustellen, wird vom Planungsausschuss geprüft und ist noch nicht entschieden.

Die Wagenburg stand mit etwa einem Dutzend Gespannen fünf Jahre auf dem früheren Saalbau-Gelände im Volkspark Friedrichshain. Doch auf dem Gelände wird nun ein Seniorenheim gebaut. Auf einem Areal an der Gleimstraße am Mauerpark durften sie ebenfalls nicht bleiben, weil dieses Grundstück demnächst in Landesbesitz übergeht und in einen richtigen Park verwandelt werden soll. Von einem Platz am Velodrom in der Landsberger Allee hat die Polizei sie vertrieben. Der Ruf von Rollheimern ist schlecht, seit die Polizei 1995 eine Wagenburg an der East Side Gallery geräumt hat, die total vermüllt und durch Drogenhandel ins Gerede gekommen war.

Die Friedrichshain-Kreuzberger Grünen verurteilen "das repressive Verhalten der Staatsmacht" den Wagenburglern gegenüber, die häufig nachts kontrolliert werden, und fordern für diese "alternative Lebensform ein Recht auf selbstbestimmtes Leben". "Ich fürchte, der Bezirk redet sich heraus", meint Heusinger. "Wir verhandeln noch", sagt Winfried, einer der Rollheimer, "aber bisher haben wir nur Absagen." Es seien in näherer Zukunft einige "spektakuläre Demonstrationen" geplant, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die nächste Aktion ist für den morgigen Sonnabend vorgesehen.

Verpflichtet ist der Bezirk zu nichts: Der Senat hat vor vier Jahren beschlossen, dass für aufgelöste Wagenburgen keine Ersatzstellplätze geschaffen oder angeboten werden müssen.

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben