Berlin : Rolls-Royce-Chef Axel Arendt

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Bei diesen Rolls-Royce-Produkten ist – anders als bei den berühmten Nobel-Karossen, die heute zu BMW gehören – entscheidend, wie schnell, wirtschaftlich und leise sie Flugzeuge in die Höhe bringen. Und da sind die Triebwerke, die heute von den 1200 Mitarbeitern draußen in Dahlewitz vor den Toren Berlins gefertigt werden, Spitze. Der weltweite Boom in Flugverkehr bringt Wachstum auch nach Brandenburg. 210 Triebwerke werden in diesem Jahr hier gefertigt bei einem Umsatz von insgesamt 900 Millionen Euro, in einigen Jahren sollen es doppelt so viele sein.

„Eine ganz tolle Sache“ nannte eine Zeitung vor kurzem eine heute so selten zu hörende Nachricht, dass der britische Konzern 200 Arbeitsplätze von England nach Deutschland verlegt. Nach dem Warum gefragt, nennt der global erfahrene Wirtschaftsingenieur und seit drei Jahren oberste „Herr der Düsen“ in Deutschland, Axel Arendt, als Gründe: die ungewöhnlich große Bereitschaft der Mitarbeiter und des Betriebsrats, flexible Arbeitszeiten zu akzeptieren. Die hierdurch und durch eine „sehr leistungsfähige Mannschaft“ erreichte Produktivität gleicht die höheren deutschen Lohnkosten aus. Nun werden hier neue Mitarbeiter gesucht, für die ganz qualifizierten Jobs international, für andere Arbeiten auch aus der Region.

Der Mann, der von seinem strengen, silbernen, modernen Büro die Geschicke lenkt, wirkt in seinem dunklen Anzug, dem weißen Hemd und der schwarzen Brille sachlich, nüchtern, freundlich und zupackend zugleich. Es macht ihm Freude, ein modernes, erfolgreiches, wachsendes Unternehmen zu leiten. Eigentlich ist er bei RR „Fremdarbeiter“. Fast sein gesamtes berufliches Leben hat er „beim Daimler“ verbracht: Vor 32 Jahren als Trainee in Stuttgart, dann als Assistent der Werksleitung und Controller in Bremen, als leitender Controller in den USA und Indonesien, Finanzvorstand in Mexico, Präsident in Argentinien und der Türkei. Als Finanzvorstand der EADS hat er danach in nur sechs Monaten die aus drei nationalen Einheiten zusammengeschmolzene neue Firma an die Börse gebracht. Ein Höllenjob!

Kein Wunder, dass seine Frau – vor 24 Jahren haben sie geheiratet – jetzt in ihrem Haus in München geblieben ist. Sie sind mit ihren drei Kindern lange genug durch die Welt gedüst. Seine Wohnung in Berlin Mitte nutzt er diese Woche nur an einem Tag.

Fit hält sich der sportliche Mann mit Jogging. Früher war da mal sehr viel mehr „Bewegung“: alle Ballspiele, Zehnkampf, Tennis, Marathon, Austausch mit französischen Schülern, das Internat in Arizona und Praktika und Reisen rund um den Globus.

Mehr Bewegung wünscht er sich heute auch in der Politik: Das Beispiel Rolls-Royce zeige doch, welche positive Schlüsselrolle die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte für die Beschäftigung habe. Wenn das die Koalitionäre doch nur endlich verstehen würden!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Axel Arendt (56).

Der diplomierte

Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur ist Chairman der Rolls-Royce

Deutschland Ltd.&Co.KG in

Dahlewitz bei Berlin.

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