Berlin : Roms Spuren in Biesdorf

Militärkleidung bei Grabungen entdeckt

Helmut Caspar

Seit Jahren wird in Biesdorf Süd, direkt an der Bundesstraße 1, gegraben und gebaut. Das bringt viel Arbeit für die Archäologen vom Landesdenkmalamt, die immer dann zur Stelle sind, bevor die Bagger anrücken. Doch die Arbeit lohnt sich. So wurden Kleidungsteile eines hohen römischen Militärangehörigen gefunden, die darauf hindeuten, dass die Ur-Biesdorfer Kontakt zu den Römern hatten. Grabungsleiter Kai Schirmer nennt diese Funde „sensationell“.

Aus der damaligen Zeit wurden Schnallen und Fibeln aus Bronze gefunden, mit denen die Textilien zusammengehalten wurden. Für eine lange Besiedlungszeit des Wuhletals spricht zudem die Entdeckung von Hausumrissen, die sich nur noch an Verfärbungen im Boden ausmachen lassen, sowie die Entdeckung von mehr als 30 Brunnen. Dazu kommen zahllose Feuerstellen, die durch aufgeschichtete Steine mit schwarzen Brandspuren auszumachen sind.

„Die Funde umfassen einen Zeitraum von etwa sieben Jahrhunderten und reichen von der vorrömischen Eisenzeit im zweiten vorchristlichen Jahrhundert bis in die Völkerwanderungszeit um 500 nach Christus“, sagt Grabungsleiter Schirmer. Bisher habe man angenommen, dass die Besiedlung bereits im zweiten nachchristlichen Jahrhundert abgebrochen wurde. „Nun zeigen die Siedlungsspuren, dass Menschen hier noch viel länger gelebt haben“, sagt Schirmer. Offensichtlich sei das Wuhletal für sie attraktiv gewesen, denn hier hätten sie alles vorgefunden, was sie für ihr Leben brauchten – Wasser für die Landwirtschaft, Bauholz aus den benachbarten Auenwäldern und Lehm für ihre Hütten, Ton zum Herstellen von Keramiken, sogar Raseneisenerz, das man verhüttet hat, um daraus beispielsweise Waffen zu schmieden.

Entdeckt wurde auch ein Kalkbrennofen. Sein Alter wird auf 2000 Jahre geschätzt, er wäre somit genauso alt wie ein ähnlicher Ofen, der einst als Block aus dem Erdreich geborgen wurde und jetzt im Bereich des Rüdersdorfer Zementwerks zu besichtigen ist.

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