Berlin : Rosa-Luxemburg-Denkmal?: CONTRA von Stephan Wiehler

Es gibt bereits eine Gedenkstätte für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Am Ufer des Landwehrkanals am Rande des Tiergartens, an jenem Ort, wo die beiden von nationalistischen Freischärlern ermordeten Kommunisten ihr Ende fanden, erinnert eine Gedenkplakette an die beiden Revolutionäre. Geehrt sind beide auch an prominenterer Stelle im Stadtbild: Nach Rosa Luxemburg sind eine Straße und ein Platz in Mitte samt U-Bahn-Station benannt. Nur wenige Schritte weiter steht das Karl-Liebknecht-Haus, die Parteizentrale der PDS. Dabei wäre Liebknecht auf diese Würdigung noch nicht einmal angewiesen, um im Stadtbild präsent zu sein. Nach dem Mann, der im November 1918 die sozialistische Republik vom Balkon des Schlosses ausrief, sind eine Straße und eine Brücke benannt.

Zum Thema Ted: Soll Rosa Luxemburg ein Denkmal gesetzt werden? Wozu also noch ein Denkmal für Rosa Luxemburg? Die Revolutionärin hat ihre unbestrittenen Verdienste, ihr Bekenntnis zur "Freiheit der Andersdenkenden" ist ein geflügeltes Wort. Doch Rosa Luxemburg gehört zu jenen janusköpfigen Figuren des vergangenen Jahrhunderts deutscher Geschichte, das so viele zwischen den Fronten zerrieben hat. Christoph Stölzl hat Recht: "Die große Sozialistin ist keine Schutzpatronin der Demokratie", sagte er zur Wahl des rot-roten Senats, als er an die Hypothek erinnerte, die die Berliner Sozialdemokratie im Schulterschluss mit den gewendeten Sozialisten aufnimmt. "Sie hat Klassenkampf, Diktatur des Proletariats und Bürgerkrieg propagiert. Mit dem Spartakus-Aufstand gegen die demokratische Vernunft Friedrich Eberts begann der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, der am Ende die erste deutsche Republik zerstörte." An die Opfer dieses Teufelskreises, wie Walther Rathenau und andere, erinnert in Berlin bis heute kein Denkmal.

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