Berlin : Rosa-Luxemburg-Denkmal?: PRO von Holger Wild

Ein Denkmal für Rosa Luxemburg, das ist kein Wunsch nur irgendwelcher Alt- oder Jungkommunisten bei der PDS. Der Vorschlag ist älter als diese Partei. Und - vor allem - stellen sich mehrere Strömungen der deutschen Linken in die Tradition Luxemburgs, die ganz zweifellos eine prägende Figur der internationalen Arbeiterbewegung war - der Frauenbewegung übrigens auch.

Zum Thema Ted: Soll Rosa Luxemburg ein Denkmal gesetzt werden? Aber sie war keine Demokratin! hören wir es heulen, und es sammelt sich der Schaum vorm Munde von Antikommunisten, die aus ihrem Schützengraben noch immer nicht herauswollen, weil sie die freie Sicht scheuen. Nein, eine Demokratin im bürgerlichen, parlamentarischen Sinne war Luxemburg in der Tat nicht. Sie strebte eine Rätedemokratie an - wobei sie jedoch Lenins Legitimierung einer Diktatur der Avantgarde des Proletariats auch über die Mehrheit der Arbeiterschaft ablehnte: "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden". Ein Satz, den die SED ihrerzeit nicht allzu gerne hörte. Und obwohl keineswegs Pazifistin, stand Luxemburg doch in entschiedener Opposition zum Weltkrieg, während die Mehrheits-Sozialdemokraten den nationalen Irrsinn bis zum Ende mitmachten und -finanzierten.

Rosa Luxemburg war alles andere als eine Lichtgestalt. Auch wird man sie nicht für so etwas wie "guten Kommunismus" vereinnahmen können. Rosa Luxemburg steht wie wenige andere für die Ambivalenz der historischen Arbeiterbewegung; für ihre Verdienste wie für ihre Fehler. Und genau diese Ambivalenz ist es, die ein Luxemburg-Denkmal rechtfertigt. Und die es zum Ausdruck zu bringen hätte (was jene eine kleine Gedenktafel eben nicht leistet).

Das Geld für dieses Denkmal allerdings sollte privat aufgebracht werden. Erinnerung ist kein Luxus - aber auch keine staatliche Kernaufgabe.

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