Berlin : Rosa-Luxemburg-Denkmal?: Rot-roter Brückenschlag zu Rosa

Amory Burchard

Rosa Luxemburg, die polnisch-deutsche Sozialdemokratin der ersten Stunde und Mitbegründerin der KPD soll unter Rot-Rot offiziell geehrt werden. SPD und PDS wollen "das geplante Denkmal für Rosa Luxemburg nach einem künstlerischen Wettbewerb auf dem gleichnamigen Platz in Mitte" realisieren. So steht es in der Koalitionsvereinbarung. Vater des Vorhabens ist Thomas Flierl (PDS). Der initiierte das Projekt als Baustadtrat im Bezirk Mitte und kann es jetzt als Kultursenator zur Chefsache machen.

Allerdings war der Denkmals-Plan von Anfang an kein alleiniges Anliegen der PDS. Bei Beschlüssen der Bezirksverordneten-Versammlungen in Mitte, Tiergarten und Wedding von 1998 und 2000 waren SPD und Grüne mit im Boot. Der Historiker Heinrich August Winkler warf der Berliner SPD im Tagesspiegel am 15. Januar 2002 vor, die historische Leistung der Sozialdemokratie - "die Gründung der ersten deutschen Demokratie" - zu verraten. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht seien "entschiedene Gegner" der Weimarer Republik gewesen.

Zum Thema Ted: Soll Rosa Luxemburg ein Denkmal gesetzt werden? Die Debatte um das Gedenken an Rosa Luxemburg zieht sich wie ein roter Faden durch die Berliner Geschichte und das, seitdem Freikorpssoldaten die Revolutionärin am 15. Januar 1919 im Tiergarten am Landwehrkanal ermordeten. Eine offizielle Ehrung erfuhren die Toten erst 1926, als neben ihren Gräbern ein ihnen gewidmetes Revolutionsdenkmal nach Entwürfen des Architekten Mies van der Rohe erbaut wurde. Die Nazis zerstörten das abstrakte Monument 1935. Die DDR-Regierung baute es 1951 mit der "Gedenkstätte der Sozialisten" in neuer Form wieder auf. Der Revolutionärin auf dem Rosa-Luxemburg-Platz ein Denkmal zu setzen, beschloss zuerst das Politbüro der SED 1974. Der Plan wurde wegen politischer Bedenken nicht realisiert. Erst heute, gut zwölf Jahre nach dem Mauerfall, soll es soweit sein.

Im Westteil der Stadt entbrannte die Debatte um ein Gedenken an Rosa Luxemburg Ende der 60er Jahre. Eine von linken Gruppen seit längerem geforderte Gedenktafel wurde 1971 an der Corneliusbrücke über dem Landwehrkanal im Tiergarten enthüllt. Neonazis zerstörten sie 1986. Zoo-Brücken-Architekt Ralf Schüler stiftete schließlich 1987 zwei Denkmäler für Luxemburg und Liebknecht, die bis heute stehen. An die grausame Ermordung Luxemburgs erinnert eine schräge, künstlerisch bearbeitete Stahlplatte. Sie führt vom Uferweg an der Brücke ins Wasser. Die Alternative Liste Schöneberg setzte sich seit 1982 für eine Gedenktafel an Luxemburgs ehemaligem Wohnhaus in der Cranachstraße 58 (Friedenau) ein. Erst sechs Jahre später konnte eine Tafel in einem Beet vor dem Haus enthüllt werden. Eine PDS-Gruppierung gab 1997 bei dem Bildhauer Rolf Biebl eine Bronzeplastik und bei der Keramikerin Ingeborg Hunzinger zwei Reliefs auf eigene Rechnung in Auftrag. Die PDS-Spitze jedoch wollte eine öffentliche Ausschreibung und einen Wettbewerb. Trotzdem kaufte sie die fertigen Skulpturen und schenkte sie der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die platzierte sie vor ihrem Haus am Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain. Und dort, sagt ein Sprecher, sollen sie auch bleiben.

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