Berlin : Rosa Rüssel

Die TU saniert ihren Forschungsbau im Tiergarten.

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Schön in die Röhre gucken. 3,5 Millionen werden hier am Kanal verbaut. Foto: Wolff
Schön in die Röhre gucken. 3,5 Millionen werden hier am Kanal verbaut. Foto: Wolff

Der Internetuser namens BR3ITN3R kommentiert auf dem Webdienst „Flickr“ das Bild der Versuchsanstalt so: „Wozu braucht man bitte so ein riesiges Rohr!?“ Gute Frage, denn jeder kennt es, der die Straße des 17. Juni hinabfuhr oder zwischen zwei Vorlesungen den Landwehrkanal entlangschlenderte. Oder weil er mit der S-Bahn von Mitte zum Zoo fuhr und einer der fröhlichen Gäste aus Übersee am Tiergarten laut lachend aufschrie: „Look at that Pig!“

Jawohl, einen Schweinerüssel mag man in der rosafarbenen Röhre des Umlauftanks für die Strömungsexperimente der Technischen Universität (TU) erkennen. Ludwig Leos meisterhaftes Bauwerk setzt auch der Farb- und Geschmacksverirrung der frühen 1970er Jahre ein Denkmal. Deshalb ist es Kult unter jungen Baumeistern und Designern, die genug von der kühlen Strenge des Rationalismus haben, eines Oswald Ungers etwa. Dabei war Leo Ungers’ Schüler, Architekturexperten schlagen ihn aber der spielverliebten Postmoderne zu und nennen ihn in einem Atemzug mit James Stirling.

Die rosafarbene Röhre hätte Kaiser Wilhelm II. niemals durchgehen lassen. Als ihm um 1900 die erste Pläne für die Versuchsanstalt vorgelegt wurden, durchkreuzte er sie mit nur einem Federstrich und notierte: „Mein Reitplatz bleibt“. So einfach war Durchregieren mal. Statt am Rande des kaiserlichen Hippodroms wurden die Becken zur Erforschung von Wasserströmung und Schiffsbautechnik auf der kleinen Insel im Kanal errichtet.

„Außerordentlich sexy“, sagt der Chef der Wüstenrot-Stiftung Wulf von Lucius: Quietschrosa und kobaltblau werden die Röhren aus angemaltem Polyurethan und der Stahlkörper bald wieder aufleuchten. TU-Vizepräsident Paul Uwe Thamsen freut es, denn ohne die 3,5 Millionen Euro der Bausparkasse verfiele das Baudenkmal weiter. Nun können die Schiffsmodelle (Maßstab 1: 40) weiter durch das Becken im Erdgeschoss gezogen oder – festgezurrt am 3. Oberdeck – dem mächtigen Druck von 3300 Tonnen vorbeifließendem Wasser trotzen. Dann leuchten golfballgroße rote oder grüne Leuchten auf und schwere Schalter werden umgelegt, bis das Wasser in dem rosa Rohr mit maximal zehn Meter pro Sekunde fließt. Das reicht sogar, um das Design einer Superyacht zu prüfen. Ralf Schönball

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