Berlin : Rosenkrieg im U-Bahnhof Kottbusser Tor

Einer Blumenhändlerin droht die Zwangsräumung, weil sie Umbaukosten nicht bezahlen wollte

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Kreuzberg. Yagidar Igde kommen die Tränen, wenn sie an ihre Zukunft denkt: Seit 20 Jahren hat sie den Blumenladen im U-Bahnhof Kottbusser Tor, aber am 15. August wird sie ihn wohl aufgeben müssen. Die Vereinigte Verkehrsreklame (VVR-Berek) hat ihr den Mietvertrag gekündigt.

20 Jahre lang hat sie hier Blumen sortiert, gebunden und verkauft. Jetzt hat sie Angst: „Von meinem 15. Lebensjahr bis jetzt bin ich noch nie arbeitslos gewesen, war noch nie beim Sozialamt, und jetzt bin ich 44. Etwas anderes kann ich nicht anfangen.“ Der Kampf um den Blumenladen begann mit dem Streit um eine neue Vitrine, für die die Blumenhändlerin die Umbaukosten tragen sollte. Am 23. April 2001 schickte die VVR-Berek an Frau Igde einen Brief, den sie als Bestandteil eines neuen Mietvertrages unterschreiben sollte.

Darin erfuhr die Blumenhändlerin, dass ihr Laden umgebaut werden solle, und sie die Kosten – „schätzungsweise 105 000 Mark“ – dafür tragen sollte. „30 000 Mark werden von Ihnen sofort bezahlt“, hieß es in dem Schreiben, der Rest sei in 60 monatlichen Raten zu zahlen. Yagidar Idge wollte das nicht einsehen. „Ich habe 1983 schon einmal 60 000 Mark für bauliche Veränderungen bezahlt“, sagt sie und wandte sich an einen Rechtsanwalt, „weil ich nicht so gut Deutsch spreche“. Ihr Anwalt Atalay Gümüsboga bemühte sich, Vergleichsangebote für die Umbauarbeiten zu erhalten, und die VVR-Berek sagte sogar zu, sich an den Umbaukosten zu beteiligen.

Doch dann folgte weiterer Streit. Die Verkaufsfläche von Frau Igde sollte verkleinert werden. „Die Technische Aufsichtsbehörde für die U-Bahn hatte uns mitgeteilt, dass Ausstellungsflächen für Blumen nur eine bestimmte Größe haben dürfen“, sagt Bernd-Michael Schröder, Geschäftsbereichsleiter für die Vermietung auf U-Bahnhöfen der VVR Berek. „Das wollte ich von Frau Igde schriftlich, weil ich ja irgendetwas in der Hand haben wollte gegenüber der Aufsichtsbehörde.“ Die VVR-Berek verschickte im August 2001 ein entsprechendes Schreiben, „und da ist sie zum Anwalt gegangen.“ Für Schröder war das Vertrauensverhältnis gestört, also kündigte er nach 20 Jahren kurzerhand den Mietvertrag.

Frau Igde droht jetzt die Zwangsräumung. Dabei ist der Stein des Anstoßes inzwischen beseitigt: Ein dicker gelber Strich vor dem Kiosk zeigt nämlich, bis wohin Frau Igde ihre Blumen legen darf – und sie hält sich auch daran. Ulrike Heitmüller

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