Berlin : Rosenstolz und Glück

Peter Plate und Anna R. begeistern 3700 Fans in der Columbiahalle. Vor ihrer einjährigen Pause geben sie eine Kostprobe ihres neuen Albums

Judith Jenner

Ein weißes Tuch versperrt die Sicht auf die Bühne. Plötzlich flimmert ein Schwarz-Weiß-Film auf und die aktuelle Rosenstolz-Single „Ich komm an Dir nicht weiter“ ertönt. Peter Plate mit Humphrey Bogart-Hut und Anna Rosenbaum alias Anna R. mit ZwanzigerJahre-Löckchen flüchten im Video vor Polizisten. Dann hebt sich der Vorhang und Anna R. betritt im knappen Schottenrock, mit Totenkopfshirt, Lederjacke und Hut die Bühne. Peter Plate folgt ihr hüpfend durch den Kunstnebel und gemeinsam singen sie „Eine Frage des Lichts“. Das Publikum schreit, springt und grölt mit, als das Duo vom Steg aus, der in die Menge führt, Hände schüttelt.

Zur ersten Ballade „Ich will mich verlieben“ gehen Wunderkerzen vor der in rotes Licht getauchten Bühne an. Pärchen schmiegen sich eng aneinander, selbst breitschultrige Zweimetermänner wiegen langsam mit. Die Hits „Die Schlampen sind müde“ und „Königin“ werden sowohl von hippen Studentinnen als auch von Teenagern und ihren Eltern angestimmt. Viele Besucher sind nicht zum ersten Mal bei Rosenstolz. „Ich versuche seit drei Jahren keinen Auftritt in Berlin zu verpassen“, sagt Jutta Kern aus Wilmersdorf. Der 34-Jährigen gefallen besonders die Balladen. Und weiter: „Anna ist eine absolute Power-Frau und Peter super sympathisch. Schade, dass er schwul ist.“ Linda und Klaus Notowski (beide 48) schätzen die besondere Atmosphäre auf Rosenstolz-Konzerten, bei denen sich die unterschiedlichsten Leute treffen.

Bei ihrem ersten Gig vor 13 Jahren traten Rosenstolz vor 30 Besuchern auf. An diesem Abend sind es 3700; die Columbiahalle ist seit Monaten für alle drei Termine im November und am 9. Dezember ausverkauft. 2005 pausiert das Duo. Aber Peter Plate tröstet die Fans. „Wir haben schon einige Tracks für ein neues Album fast fertig“, ruft er ins Mikrofon und singt gleich eine Kostprobe: „Ich geh in Flammen auf“.

Nach zwei Stunden ist die letzte Zugabe gespielt, die Halle riecht nach abgebrannten Wunderkerzen und Kunstnebel. Die Fans taumeln glücklich in die Nacht.

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