Berlin : Roskis Reimereien

„Pour moi“ – Ulrich Roski widmete sich selbst ein Buch: Das schien ihm am ehrlichsten

Andreas Conrad

Limericks standen damals hoch im Kurs. Einer der meinigen lautete:

Es wollte der Graf Hohenstauffen

einen Wolf, einen lebenden, kaufen.

Als er keinen fand, riet ihm sein Adjutant:

„Durchlaucht sollten sich einen laufen!“

„Zeitsprung“ – ist es zu fassen! Ausgerechnet vorbei an einer Kneipe dieses Namens führt der Weg zu Ulrich Roski? In jedem anständigen Dokumentarfilm wäre die Szene rausgeschnitten worden. „Glaubt einem kein Mensch! Denkt doch jeder, das sei erfunden!“ Ist es aber nicht.

Also „Zeitsprung“. Passt prima zu dem Buch, um das es vor allem gehen soll bei diesem Besuch in Roskis Neuköllner Wohnung: „In vollen Zügen. Vom Leben auf Rädern“. Schon auf dem Umschlag geht es zwei, drei Jahrzehnte zurück: Roski in den 70ern, unten Schlag, oben Matte, schulterlang mit Seitenscheitel. Zum Piepen, er gibt es gerne zu: „Es hat mich selbst sehr verwundert, mich in dieser Aufmachung zu sehen. Aber der Verlag meinte, der Retro-Look würde gut zum Inhalt passen.“ Wann er sich von seiner Prinz-Eisenherz-Frisur getrennt habe? „Als die ersten grauen Haare kamen. Ist bestimmt 20 Jahre her.“

Ulrich Roski, tja, wie soll man es sagen? Nicht mehr jedem ein Begriff. Anders als Jürgen von der Lippe, der zu Beginn seiner Laufbahn gerne Lieder von Roski nachsang, anders auch als Reinhard Mey, den Roski schon vom Französischen Gymnasium her kannte, einer der wenigen aus der alten Liedermacher-Szene, der nach wie vor Säle füllt. Kürzlich hat er von ihm ein Fax bekommen: Das Buch gefalle ihm.

Mein Lied vom verliebten Schweinehirten endet mit den Versen: „Ich lass dir Ringe um die Beine schweißen, dass dich nicht die Schweine beißen.“ Das konnte man durchaus auch politisch sehen.

„In vollen Zügen“ – das klingt nach doppelsinniger Blödelei, ist aber zunächst mal ganzkonkret gemeint. Er habe nun mal „eine Affinität zur Bahn“, stellt Roski klar, als sei ihm der kleine sprachliche Schnörkel hier nur zufällig unterlaufen.

Immerhin, sein Lebensweg begann tatsächlich mit einer Bahnfahrt, im Herbst 1943 von Berlin in die Eifel. Klar, dass sich Roski, nunmehr 58, an die Reise im Mutterleib nicht mehr erinnern kann, an die Erzählungen seiner Mutter aber schon. Und viele Dialoge sind wohl nicht 100-prozentig so verlaufen, wie er sie geschildert hat. „Aber der Grundtenor ist autobiografisch“ – und, da Roski nun mal der Humorist unter den Liedermachern war, überaus komisch.

„Großartige Gefühlsszenen, Ärger, Hass, mit denen viele ihre Autobiografien füllen – das ist mir fremd. Ein bisschen Distanz, die Dinge nur andeuten – das ist es, was mir eigen ist.“ Spröde Sätze, die so gar nicht zu der Eulenspiegel-Rolle passen wollen, die Roski im Buch einnimmt, gut 300 Seiten Erinnerungen von der eigenen Geburt bis zu der seiner Tochter Sandra 1976, die zugleich das weite Spektrum des Humors ausloten, vom bloßen Kalauer über Ironie und Parodie bis zur absurden Satzverdrehung. Der Liedermacher mag gealtert sein, sein Wortwitz nicht.

Der folkloristischste Verein indes war der RCDS, die studentische Niederlassung der CDU. Eberhard Diepgen fungierte dort als Vorstand und hatte, kaum tat er den Mund zum Reden auf, sofort die Lacher auf seiner Seite, auch wenn er dies gar nicht beabsichtigte.“

„Pour moi“, keck hat Roski das Buch sich selbst zugeschrieben, das schien ihn „eine ehrliche Widmung“. Nach all den Plattenerfolgen, die er früher hatte und denen die neue Comedy-Szene noch immer Respekt zolle, nach „Des Pudels Kern“ oder „Der kleine Mann von der Straße“, auch nach Auftritten in Ilja Richters „Disco“, Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ oder sogar in der Philharmonie wollte er sich einen Wunschtraum erfüllen: ein Buch.

Und es hat dann auch noch in ganz anderer Weise geholfen: „Es war auf jeden Fall eine sehr große Willensanstrengung, das ist immer gut bei Krankheiten.“ Vor einigen Jahren erkrankte er an einem Zungenkarzinom, musste operiert werden, was das Ende seiner Bühnenlaufbahn zu bedeuten schien. Singen ging nicht mehr, schreiben schon.

Mittlerweile tritt er wieder auf, verstärkt um zwei Musiker, „diesen Luxus habe ich mir früher nie gegönnt“. Schon immer spielte Sprechgesang bei ihm eine große Rolle, das hat er nun verstärkt und sich passende Arrangements zu seiner neuen „brummenden Bassstimme“ geschrieben.

Und neue Sketche, beispielsweise über den nach der Operation notwendig gewordenen Besuch bei einer Logopädin: „Ich lerne sprechen“. Ein Text, der zunächst erläutern sollte, warum er, Roski, nicht mehr so flüssig sprechen kann. Aber damit kann sich ein Komödiant mit einem Gespür für „die immanente Komik des Krankenhausbetriebes“ nicht zufrieden geben.

Ich bin auch wieder fast gesund geworden, bloß dass meine Stimme nun so klingt, als wenn eine Ziege auf Blech pinkelt. Und meine Zunge so behäbig artikuliert, wie sie es früher erst nach dem zehnten Whisky tat. Auch den haben mir die Ärzte übrigens streng verboten, das heißt, nicht nur den zehnten, sondern auch die beiden davor.

Die ersten drei Kursiv-Zitate entnahmen wir dem Buch von Ulrich Roski „In vollen Zügen. Vom Leben auf Rädern“, Eichborn-Verlag, 303 Seiten, 19,90 €. Weiteres zu Ulrich Roski im Internet unter www. uroski.de

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