Berlin : Rot für Radfahrer

Polizei kontrollierte verstärkt Radfahrer und fand viele Mängel

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Seit dem meteorologischen Frühjahrsbeginn hat die Berliner Polizei die Radfahrer einer Sonderkontrolle unterzogen. In knapp drei Wochen wurden stadtweit 11 153 Radler angehalten, teilte das Präsidium gestern mit. Dabei wurden 3300 Ordnungswidrigkeiten festgestellt: 1513 Radfahrer fuhren auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen, 898 waren auf dem Radweg in falscher Richtung unterwegs, 757 missachteten das Rotlicht. 611 Fahrräder wiesen so große Mängel auf, dass eine „mündliche Verwarnung nicht mehr ausreichte“, wie es hieß. 18 Räder waren als gestohlen gemeldet.

Da Unfälle mit Radfahrern zu etwa zwei Dritteln von Autofahrern verschuldet werden, wurde bei der Sonderkontrolle auch das Fehlverhalten von 2846 Autofahrern geahndet: 384 hatten beim Rechtsabbiegen Schwächere gefährdet, 135 waren bei Rot gefahren und hatten so Radfahrer und Fußgänger gefährdet. „Das Rechtsabbiegen ohne genügende Beachtung parallel fahrender Radfahrer stach besonders hervor“; heißt es nun in der Bilanz. Damit ist eingetreten, was der Chef der Berliner Verkehrspolizei zu Beginn der Aktion schon prophezeit hatte: Der absolute Schwerpunkt der Kontrollen solle bei falschem Abbiegen liegen, hatte Wolfgang Klang vor drei Wochen angekündigt. Wie berichtet, hatte eine Polizistin bei einer Kontrolle festgestellt: „Ich bin ja einigermaßen entsetzt, dass es so viele unaufmerksame Autofahrer sind.“ Schätzungsweise jeder Dritte sei rücksichtslos abgebogen, so die Beamtin.

Ein Radfahrer, der eine dieser Kontrollen beobachtet hatte, klagte jedoch, dass die Polizei wie vor vielen Jahren intensiv vor allem die Zahl der Reflektoren an den Rädern kontrolliert habe, statt aggressive, drängelnde oder abbiegende Autofahrer anzuhalten, auch der Radfahrverband ADFC kritisiert dies seit Langem.

Wie die Polizei weiter mitteilte, seien Fußgänger besonders begeistert von den Kontrollen gewesen, weil sie sich von Radlern auf Gehwegen gefährdet fühlen. Auch „Auto- und Motorradfahrer zeigten viel Verständnis für diese Sicherheitsaktion“, hieß es bei der Polizei. Bei den Radfahrern sei die Reaktion dagegen „unterschiedlich“ ausgefallen, ein Teil habe das Einschreiten der Polizei als überzogen bezeichnet.

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