Berlin : Rot sehen

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über

eine Berlinale mit mehr Stars als erwartet

Nix wird los sein. Roter Teppich halb leer! Diese Schreckensvision gehört zum Beginn einer Berlinale unauflöslich dazu, so wie das notorisch nasskalte Februarwetter. Sogar der Optimismus-Olympier Dieter Kosslick zückte sekundenlang eine halbe Sorgenfalte, als die Absage von Nicole Kidman kam.

Eine Woche später ist das alles vergessen. Der Festival-Chef wohnt mit seinem gestirnten Harem quasi auf dem roten Teppich, der wegen Abnutzung bereits ausgewechselt werden musste. Und auch der Regierende kann sich, wenn er nur will, Abend für Abend mit echten Hollywood-Bussis den Schmerz der Arbeitstage wegherzen lassen. Dass sowohl Kosslick als auch Wowereit selber ihre Star-Qualitäten pflegen, schadet sicher nicht.

Aber ohnehin hat die Stadt unter den Giganten des Showbusiness längst den Status eines schönen Spielplatzes. Nehmen wir als Beispiele Renée Zellweger und Jude Law. Glaubwüdiger hätten sie die Entschuldigungen für das Fehlen beim Eröffnungsfilm nicht rechtfertigen können als durch den Besuch ein paar Tage später. Schon bei der Goldenen Kamera mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, Peter Falk, Naomi Campbell und Claudia Schiffer war klar, dass es funkeln würde. Liza Minnelli schwärmte bei Maischberger ganz unbefangen über den Schauplatz von „Cabaret“.

Stars müssen Optimisten sein, sonst hätten sie nicht diese Höhen erreichen können. Normalos dürfen freilich weiterjammern. Zum Beispiel so: Star-Stau auf dem roten Teppich. Bürgermeister unter Bussis begraben. Stadt versinkt im Glamour-Chaos. Egal wie, Hauptsache rot sehen.

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