Berlin : Rote Karte

Andreas Conrad

Am Anfang hat sich das Kino um Fußball herzlich wenig geschert. Fürs erste Bioskop-Programm am 1. November 1885 im Berliner Wintergarten fanden die Brüder Skladanowsky ein boxendes Känguru als Sportdarbietung viel spannender. An dieser inneren Distanz der beiden Kulturwelten – lassen wir uns durch Filmerfolge wie „Das Wunder von Bern“ nicht täuschen! – hat sich wenig geändert. Symptomatisch ist eher Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“: Ausgerechnet mit dem Siegesruf „Tor! Tor! Tor! Tor!“ finden Film und Heldin ihr tragisches Ende. So kann es nicht überraschen, was die Freunde der Deutschen Kinemathek während der WM für ihr Kino Arsenal am Potsdamer Platz planen: Aus! Aus! Aus! Aus! Schon bei der WM 2002 und der Europameisterschaft 2004 mit den Videoübertragungen der Spiele im Sony-Forum habe sich gezeigt, „dass große Teile unseres Publikums in solchen Zeiten auf den Besuch des Arsenals verzichten“, klagen die Filmfreunde und schließen ihr Theater vom 9. Juni bis zum 9. Juli. Nur, was treibt ihr Publikum stattdessen? Videos gucken? Sich auf den Fanmeilen herumtreiben? Zur Not bliebe ihnen immerhin der Besuch im Zoo – bei den boxenden Kängurus.

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