Berlin : Rote Kreise hinterm Platanenhain

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Ein schwebender roter Ring, der nachts leuchtend über dem Asphalt schwebt und ein roter Kreis, auf dem Boden aufgetragen – starke Zeichen in Signalfarben braucht es schon, um den Innsbrucker Platz im Stadtteil Schöneberg wieder in einen Ort zu verwandeln, an dem die Bürger auch verweilen wollen. Bisher rauscht hier nur der Verkehr vorbei und allenfalls am nördlichen Rand, neben dem U-Bahn-Eingang, gibt es ein paar Bänke für Pendler, die, von der S-Bahn kommend, am Innsbrucker Platz umsteigen. Dass der Platz mehr Potenzial hat, davon sind die Landschaftsarchitekten Axel Klapka und Florian Mänz überzeugt. Noch fehle es aber an einer „Kante“, die den Platz begrenzt und ihm dadurch eine Fassung gibt. Das wollen die Planer ändern, durch den roten Ring, der auf filigranen fast unsichtbaren Stützen steht, durch einen zweiten grünen Ring aus Platanen am Rande des Platzes und schließlich durch einen roten Belag auf den neu gewonnenen Flächen im Westen und im Süden. „Besucher müssen durch den Platanenhain hindurch, um den Platz zu erreichen, und wenn sie ihn verlassen, müssen sie ein zweites Mal hindurch“, sagt Mänz. Die Bäume bildeten eine optische Grenze zwischen dem Platz und den großen Straßenzügen, die auf ihn zuführen und definierten seine Kante. Der rote Ring gibt dem Innsbrucker Platz optisch Zusammenhalt. Er soll ihm, so Klapka, jene Einzigartigkeit verleihen, die im Gedächtnis bleibt.

Aber wie soll es gelingen, dass Menschen hier auch verweilen? Das Kunststück soll ein Neubau mit Läden, Büros und Cafés am südlichen Rand des Platzes schaffen. Denn dort gibt es heute nur einen Parkplatz und den Zugang zum S-Bahnhof. Nach dem Willen der Stadtplaner soll die Gleisanlage am Innsbrucker Platz ohnehin zurückgebaut werden; so sieht es das „Planwerk Innenstadt“ vor. Die für die Stadt zurückgewonnene Fläche könnte auch der Umgestaltung des Innsbrucker Platzes zugutekommen, findet Klapka: indem neue Wege entstehen und die Fläche am Bahnhofsvorplatz wächst. Dort könnte eine Anlage für Skater entstehen, Sitzgelegenheiten, Schirme aufgespannt werden, die vor Sonne oder Regen schützen. Wasser-Fontänen könnten den Ort behaglicher machen. „An heißen Sommertagen können die Pendler hier unter den Platanen verweilen, ein Eis essen und die Wasserspiele beobachten“, sagt Florian Mänz. Und das sprudelnde Wasser würde den Verkehrslärm dämpfen, fügt Axel Klapka hinzu. Einen Brunnen mit Becken haben die beiden nicht im Sinn. Vielmehr wollen sie – wie es sich einige Kilometer weiter nördlich am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz bewährt hat – Wasserdüsen zwischen die Gehwegplatten einfügen. Die sind kaum sichtbar fürs Auge, und so verwandelt sich der „Brunnen“ wieder in einen ganz gewöhnlichen Teil des Platzes, wenn das Wasser mal nicht sprudelt. Ganz ungewöhnlich ist der rote Belag, den die Planer dort auf den Asphalt aufbringen wollen, wo das Quartier eine neue Qualität erhalten soll. Der Belag besteht aus kleinen rötlichen Steinen, die durch ein Gemisch aus Kunstharz zu einer „offenporigen Oberfläche“ verklebt werden, erläutert Klapka. Auch das Kunstharz wollen die Planer rot einfärben. Weich und ein wenig federnd wird es sich anfühlen, wenn man über diese roten Wege schreitet. Die Farbe signalisiert dabei auch: Hier ist Platz, Platz zum Verweilen, „ansprechender Raum, der die Menschen anlockt“. Deshalb soll auch der südliche Bereich des Innsbrucker Platzes unter der S-Bahn-Trasse sowie der nord-östliche Vorplatz der Wohnblöcke auf diese Weise markiert werden. RALF SCHÖNBALL

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