Berlin : Rote Rampe

Christian van Lessen

erlebte ein schönes Tiefgaragen-Eröffnungsfest Ein roter Teppich führt von der Straße die Rampe hinab. Ehrfurchtsvoll stehen Passanten Spalier. Wer den roten Teppich hinabsteigen darf, gefilmt von Kameras, nimmt Haltung an. In der Tiefe warten Damen an der Garderobe, die Gäste erwartet ein großer Empfang. Wie eine Vernissage sieht das aus, Fotos von Bauarbeitern hängen an der Wand. Eine Schlagzeuggruppe wird vom Intendanten der Staatsoper angesagt. Geheimnisvolle Bänder sind zwischen Pfeilern gespannt, um die Spannung zu steigern. Hundert, vielleicht auch zweihundert Gäste mögen geladen sein, stehen in Grüppchen herum, fein angezogen oder lässig gekleidet. Es werden Häppchen gereicht, Sekt und Saft getrunken. Der Opernintendant findet lobende Worte, die Stadtentwicklungssenatorin auch, der Bezirksbürgermeister darf nicht fehlen, vom Dompropst kommen Grüße. Eine Investor erinnert an seine mittelfränkische Heimat und bittet, auch für seine Bauleute und Mitarbeiter Beifall zu spenden. Das wird gern und reichlich getan. Es ist so feierlich wie bei der Eröffnung einer Tiefgarage in Mittelfranken. Es ist die Eröffnung der Tiefgarage unterm Bebelplatz.

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