Berlin : Rotes Kreuz: Blutspende-Rekord im Luxushotel

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"Spende Blut beim Roten Kreuz." Der Aufruf ist allgegenwärtig, aber er mobilisiert zu wenige Berliner. Gut die Hälfte der Blutkonserven, die Berliner Krankenhäuser brauchen, müssen von anderen Blutspendediensten hinzugekauft werden. "Spende Blut im Grand Hotel Esplanade" - das klingt schon anders. 200 Spendewillige folgten gestern dem Ruf zum Lützowplatz.

Schlangestehen im Wintergarten, ärztliche Untersuchung und Blutspenden im Großen Konferenzsaal unter riesigen Tafelbildern von Karl-Horst Hödicke - "das ist ein schöner Rahmen für das erste Mal", dachte sich Monika Wedel. Die 49-jährige Verkäuferin kam als Erstspenderin. Vor einigen Jahren brauchte sie selber eine Blutkonserve bei einer Nierenoperation. Vollkommen gesundet wolle sie nun auch spenden - aus Dankbarkeit. Oliver Wünsch gab der Blutspendetermin der Extraklasse den entscheidenden Schubs, seine "tierische Angst vor Spritzen" zu überwinden. Hinterher, bei einem Tässchen Tee aus dem prächtigen Samovar und handfesten Brötchenhälften aus der Hotelküche ist der 30-jährige Computerfachmann stolz, dass seine 500 Milliliter so schnell flossen. Tischnachbarin Rosaly Schön löffelt gerade eine "fantastische Kartoffelsuppe" und freut sich schon auf das "ausgesuchte Weihnachtsgebäck". Die Rentnerin spendet regelmäßig Blut und weiß: "Die Damen vom DRK geben sich sonst aber auch große Mühe mit den Broten."

Gelohnt hat es sich jedenfalls. Der Andrang in dem Tiergartener Luxushotel war, verglichen mit den sieben Spendeterminen, die das Rote Kreuz wöchentlich anbietet, ein Rekord. Im Schnitt kommen 50 Spender zu den Terminen in Schulen, Öffentlichen Bibliotheken oder Betrieben. In den Blutspendebussen sind es 30, sagt Helmut Warzecha, Sprecher des Blutspendedienstes. Rund 300 Blutkonserven am Tag sind zu wenig. Um den Bedarf zu stillen, müssten es aber 700 Spender sein.

Für Monika Wedel, die engagierte Erstspenderin, endete der Ausflug ins Esplanade trotz allem mit einer Enttäuschung. Sie gehörte am Ende zu den 15 Prozent der Spender, die wegen gesundheitlicher Risiken "zurückgestellt" werden. Die fehlende Niere gilt als ein solches Risiko. Wegen der BSE-Gefahr werden beispielsweise nur ein bis zwei Prozent der Spender abgelehnt - wenn sie zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate in England gelebt haben.

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