Berlin : Rotes Kreuz: Insolvenzverwalter soll Berliner Landesverband retten

Christoph Stollowsky

Angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Berliner Rot-Kreuz-Landesverbandes müssen dessen Mitarbeiter mit weiteren Entlassungen rechnen. DRK-Geschäftsführer Jost Brockmann erklärte gestern auf Anfrage, er rechne im Rahmen des laufenden Insolvenzverfahrens mit solchen Schritten. Das Ausmaß der Kündigungen sei noch nicht abzusehen, ihre Zahl werde aber wesentlich geringer sein als im vergangenen Jahr, in dessen Verlauf sich das DRK von 400 Mitarbeitern trennte. Wie berichtet, hat der DRK-Landesverband am Freitag beim Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzverfahren beantragt.

"Vorsorglich", wie Brockmann betont, denn aus seiner Sicht wird das Verfahren den Landesverband "wirtschaftlich wieder gesund machen". Nun ist das DRK zwar noch nicht pleite, wird es aber in absehbarer Zeit sein, falls es eine riesige Finanzlücke im Zusammenhang mit der zusätzlichen Rentenversicherung für 1700 ehemalige Mitarbeiter nicht schließen kann. In diesem Falle würden alle verblieben 650 Beschäftigte des Verbandes ihre Arbeiten verlieren und soziale Einrichtungen wie Kitas, Altenheime oder psychiatrische Dienste müssten geschlossen werden. Dies soll nun ein Insolvenzverwalter verhindern, der am Montag sein Amt antritt. Er muss sich allerdings nur um den Landesverband kümmern, die DRK-Schwesternschaft und die Kreisverbände, die gleichfalls Gesundheits- und Sozialeinrichtungen unterhalten, sind von der Finanzkrise nicht betroffen.

Der Mann vom Amtsgericht wird optimistisch stimmende Sanierungsansätze vorfinden, aber auch deprimierende Lasten. So gelang es dem Roten Kreuz laut Brockmann, die jährlich auflaufenden Schulden seit Mitte 2000 zu halbieren. Im Verlauf des Jahres 1999 häufte man 60 Millionen Mark zusätzliche Verbindlichkeiten an, 2000 waren es 30 Millionen, und 2001 will Brockmann nur noch 15 Millionen Mark Miese machen. Erreicht wurde das in erster Linie durch Immobilienverkäufe und die erheblichen Abstriche an einer "personell aufgeblähten Verwaltung", so Brockmann. Doch unter dem Strich muss das DRK weiterhin Zinsen für eine Gesamtschuld von 100 Millionen Mark aufbringen.

Und dann gibt es noch die schwerste Last: das Rentendefizit. 1963 verpflichtete sich der Landesverband, für seine Mitarbeiter eine zusätzliche Rente neben der gesetzlichen Rentenversicherung anzusparen. Damals schöpften die Wohlfahrtsverbände noch aus dem Vollen, weshalb man die Sache nicht so genau nahm. Die erforderlichen Gelder wurden zwar als Rückstellungen gebucht, aber nicht tatsächlich zurückgelegt. Stattdessen flossen sie in neu erworbene Immobilien, die ein gemeinnütziger Verband nicht gewinnbringend nutzen darf - und später wurde gar nichts mehr angespart.

Deshalb muss der Landesverband nun jährlich 6 Millionen Mark für die Zusatzrenten aufbringen, was den Erfolg der Sanierung auf Dauer zunichte macht. Den Pensionären ist ihr Auskommen sicher, dafür gibt es den Pensionssicherungsverein. Aber der zahlt erst nach einer Pleite ihres früheren Arbeitgebers. Deshalb ist der Insolvenzverwalter nun die letzte Hoffnung. Brockmann: "Der Mann kann sich mit unseren Gläubigern erfolgreicher an einen Tisch setzen.".

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