Rotes Rathaus : Die Band Phoenix spielt über den Dächern Berlins

Was macht die französische Band Phoenix auf Berlins wichtigstem Dach? Ein Video drehen, für eine Konzertreihe des Senders tape.tv. Ein Bericht aus den luftigen Höhen des Roten Rathauses.

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Viel schöner als der Eiffelturm: Die französische Band Phoenix nimmt auf dem Dach des Roten Rathauses ein Akustik-Set auf.
Viel schöner als der Eiffelturm: Die französische Band Phoenix nimmt auf dem Dach des Roten Rathauses ein Akustik-Set auf.Foto: Thilo Rückeis.

Die Kulisse ist schon mal super: über den Dächern Berlins mit Blick über Kirchtürme, Baukräne und Hochhäuser, vor silbernen, futuristisch anmutenden Lüftungsrohren und direkt unter dem Turm des Roten Rathauses. In diesem Setting spielte am Montagnachmittag die französische Indieband Phoenix. Allerdings kamen nur wenige Zuhörer und schon gar keine Fans in den Genuss der Klänge: Zuhören durften nur gut zwei Dutzend Journalisten und Fotografen. Gegen den Lärm der Baustelle am Rathausplatz, Martinshörner und das Läuten der Turmuhr gaben die Indiepoprocker aus Versailles einige Songs aus ihrem im April erschienenen Album „Bankrupt!“ zum Besten. Wird das Rathausdach nun zur Freiluftbühne?

Nein – oder zumindest nicht dauerhaft, soviel ist sicher. Am Montag wurde aufgezeichnet für die Reihe „Auf den Dächern“ des Online-Musiksenders tape.tv. Schon mehr als 180 Künstler, darunter Jason Mraz, Samy Deluxe, Nada Surf, Incubus und Florence & the Machine, haben in den luftigen Höhen Berlins musiziert, das Rote Rathaus ist bislang das berühmteste Dach. Zu sehen sind die Musikvideos auf der Homepage www.tape.tv.

Rotes Rathaus
Das Rote Rathaus in Mitte ist der Sitz des Berliner Senats und Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Mike Wolff
03.11.2010 15:08Das Rote Rathaus in Mitte ist der Sitz des Berliner Senats und Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach sein würde, auf dem Dach des Roten Rathauses zu spielen“, erzählt Conrad Fritzsch, Vorstandsvorsitzender des vor vier Jahren gegründeten Online-Musiksenders aus Pankow. Aber der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit musste nicht lange gebeten werden, das Dach seines Amtssitzes zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen zeigen, dass Berlin offen ist für Popmusik, Kreativität und Künstler aus aller Welt“, sagt Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, der gemeinsam mit den Machern von tape.tv zum Mini-Konzert geladen hatte.

Verwinkelte Gänge mit unverputzten Betonwänden entlang, hölzerne, mit gelbschwarzem Band abgeklebte Treppen hinauf, an dicken Kabelsträngen und Stahltüren vorbei geht es nach draußen auf das Dach des Rathauses. Das Wetter zeigt sich gnädig, zwischendurch kommt sogar die Sonne raus.

Aber wie das so ist mit echten Rockstars lassen sie erst einmal auf sich warten. Nach einer guten halben Stunde ist es dann soweit: Die Bandmitglieder um Sänger Thomas Mars haben sich auf einem etwa acht Quadratmeter großen Stück Kunstrasen mit drei Keyboards, einer Gitarre und Mischpult gruppiert, die ersten Klänge der Single „Entertainment“ ertönen. Der Synthie- Sound bleibt allerdings etwas gedämpft und hölzern; richtig rocken geht anders. Vielleicht liegt es daran, dass die Musiker wenig von der schönen Aussicht haben, sondern stattdessen auf den Plattenbau-Chic des Alexanderplatzes blicken müssen. Hauptsache, die Musik kommt auf dem Video gut rüber, das ab nächster Woche online zu sehen sein wird. Nach drei Takes ist die erste Aufnahme im Kasten. Trotz der Ansage „Bitte nicht klatschen und Fotos erst danach“ wird eifrig applaudiert und noch eifriger fotografiert, was die Pressedamen zu freundlichen, aber bestimmten Zurechtweisungen verleitet.

Wer gerne einmal selbst „Auf den Dächern“ dabei wäre, muss sich bis zum 8. September gedulden: Dann werden wie im Vorjahr beim „Auf den Dächern Festival“ mehrere Dächer Berlins bespielt, genauere Informationen zu den teilnehmenden Künstlern und den Orten gibt es in Kürze auf der Homepage www.tape.tv. Fest steht bislang nur, dass eines der zu bespielenden Dächer an der Mediaspree ist; wer sich auf eine Besteigung des Roten Rathauses gefreut hat, wird enttäuscht: Hier wird es erstmal keine Konzert mehr geben.

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