Berlin : Rotkäppchen für alle

17 Tage, 1077 Veranstaltungen: Die 15. Berliner Märchentage haben die Bundesländer zum Thema

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Wunderbar, wundervoll, schön. Auffallend viele schmückende Beiworte verwendet Silke Fischer an diesem Morgen, wenn sie über ihr Fest spricht. Silke Fischer ist die Direktorin des Märchenland e.V., der vom kommenden Freitag an die 15. Berliner Märchentage ausrichtet. Da sie noch von „unserer wunderbaren Suchmaschine auf unserer Internetseite“ spricht, muss die Vorfreude wohl sehr groß sein.

Zur Wirklichkeit: Die Bundesländer sind in diesem Jahr das Thema: „Sechzehn auf einen Streich“. Sie stellen sich in den Berliner Landesvertretungen mit Märchen, Mythen, Sagen und Erzählungen vor. Dieses Mal ist es also die 15. Ausgabe der Märchentage – für Chefin Fischer „ein Jubiläum, zu dem wir deutsche Märchen vorstellen wollten – und mehr bieten als die Geschichten der Brüder Grimm.

Mehr bieten. In der Tat ist das Angebot zahlenmäßig äußerst umfangreich: 1077 Veranstaltungen vom 5. bis 21. November, das sind über 60 am Tag. 350 Spielorte; 40 davon in Brandenburg, auch das ist neu. Und inhaltlich? Die Veranstalter verlassen sich auf die Klassiker, für die, unter anderem, die Gebrüder Grimm stehen. Eines von 15 Märchen im Programm ist ein modernes. „Es ist aber auch so, dass viele der Künstler, die wir eingeladen haben, die alten Geschichten neu interpretieren“, sagt Silke Fischer.

Neu ist auch das Finanzierungsmodell der Märchentage, nachdem der alte Träger – die Neue Gesellschaft für Literatur – Insolvenz angemeldet hat. Die 600000 Euro Kosten finanzieren die Klassenlotterie und weitere Sponsoren. Die finanzielle Zukunft der Märchentage wird derzeit verhandelt. Manfred Fischer von der Senatskulturverwaltung sagt: „Wir sprechen mit dem Lotto-Stiftungsrat über eine tragfähige Lösung.“

80000 Zuschauer erwartet Silke Fischer, einige wenige Veranstaltungen seien bereits ausverkauft. Gabriele Nellesen – als Leiterin des Konzerthauses an der Veranstaltungsreihe beteiligt – begründet das Interesse so: „Märchen bieten konstruktive Lösungen an, das macht sie so attraktiv für Menschen in jedem Alter.“ Paul Werner Wagner, verantwortlich für die Märchenfilm-Retrospektive, sagt: „Andersens Tölpelhans ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein Ahnnungsloser in eine tolle Position rutscht. Geschichten wie diese kann man heute in der Politik beobachten.“ Die Aussagen zeigen: Jeder kann in Märchen das finden, was er finden möchte. Auch wenn’ s nicht immer wunderschön ist. mne

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