Berlin : Rotwein hilft nicht immer

Diane Keaton und Jack Nicholson bei der Pressekonferenz zum Berlinale-Film „Something’s gotta give“

Andreas Conrad

Zum Schluss platzte ihr doch noch der Kragen. „Sie stellen so komische Fragen. Ich weiß gar nicht, was ich antworten soll“, Diane Keaton war sichtlich ratlos. „Ich werde jetzt noch verrückt.“ Nun gut, das kann man verstehen, die Pressekonferenz zu „Something’s gotta give“ war wirklich keine Sternstunde des Filmjournalismus. Ob Jack Nicholson Diane heiraten würde? Auf solches Niveau kann man wie Jack mit einem Witz reagieren, auf Dianes rote Handschuhe verweisen, unter denen sie den Verlobungsring mit dem riesigen Diamanten versteckt habe. Oder man antwortet, indem man wohldosiert die Contenance verliert, gerade in dem Maß, dass letztlich offen bleibt, ob es nun die Reaktion einer überstrapazierten Stadtneurotikerin war oder nun gespielte Entrüstung.

Rotwein hilft in manchen Situationen eben nur begrenzt. Oder war es nur Traubensaft, den sich Diane Keaton auf die Pressekonferenz mitgebracht hatte, als Alternative zu dem dort angebotenen Mineralwasser? Aber an dem würde man doch nicht nur pausenlos genießerisch nippen, sondern einen kräftigen Schluck nehmen, und dann hat es sich.

Trotz aller Irritationen über absonderliche Fragen – einen guten Eindruck von der Stimmung auf dem Set bekam man doch. Wird ja gestern Abend nicht alles Show gewesen sein, dieses ausgelassene Herumalbern zwischen Diane und Jack. Dass alle unheimlich Spaß beim Drehen hatten, ist ja eine oft gehörte Antwort bei solchen Presseterminen, in diesem Fall war es wohl tatsächlich so. Nicht mal die Nacktszene war ein Problem, Diane hatte das im Drehbuch gelesen und sich gesagt: „Klar, das muss man machen, weil es die Intimität zeigt.“ Beim Drehen war dann aber, anders als im Film, ohnehin nur Kameramann Michael Ballhaus dabei.

Das Tolle an Nicholson: „Er verkraftet Überraschungen.“ Zum Beispiel sein Gesicht unerwartet mit beiden Händen zu packen, wie sie es mag – ein anderer Kollege hatte sich danach mal beschwert. Und Küssen tut Jack natürlich auch besser als Keanu Reeves – aber das ist wieder so eine durch die Frage nahegelegte Antwort, die kein Mensch ernst nimmt, am wenigsten Diane.

Nur wenn sie mit Mrs. Keaton angesprochen wird, das mag sie offenbar gar nicht. Sie sei doch nicht mit sich selbst verheiratet. Miss Keaton – das gefällt ihr schon viel besser.

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