Berlin : Ruckzuck

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Von Andreas Conrad

Nach der WM ist vor der WM, das darf man in dieser dunklen Stunde nie vergessen. Und gerade Berlin muss dessen stets eingedenk sein, schließlich sind vier Jahre kürzer als man denkt. „Schaut auf diese Stadt“ – nichts für ungut, Herr Reuter, aber zum Endspiel im Sommer 2006 ist so eine Aufforderung ganz und gar überflüssig. Die Welt macht es ohnehin. Fragt sich nur, was kriegt sie hier zu sehen. Keinen Regierenden Bürgermeister mehr, sondern einen Insolvenzverwalter? Und die anderen Senatoren, einschließlich dem vom Ressort Finanzen, mangels Masse komplett eingespart? Das darf nicht sein, und ein weiteres Zitat tut daher Not. Herr Herzog, Sie gestatten? Ja, ein Ruck muss nun durch die Stadt gehen, auf dass sie sich würdig erweise für den Weltmeister 2006, wie immer er auch heißen mag. Fragt sich nur, wer ruckt zuerst, wer tut den ersten Schritt im Vier-Jahres-Plan. Hertha BSC könnte die drei brasilianischen R’s einkaufen und die Münchner Ballkünstler in Grund und Boden stampfen. Im Zuge der Pisa-Diskussionen wird danach dem Fußball-Unterricht an Berlins Schulen oberste Priorität eingeräumt, und nach einer Bundesratsinitiative Elfmeterschießen bundesweit zur Abiturdisziplin. Die Steinfiguren vor dem Olympiastadion, Relikte dunkler Zeiten und ästhetisch nach wie vor fragwürdig, werden rechtzeitig vergoldet, der Senat hat dazu noch kurz vor seinem Auswechseln durch besagten Insolvenzverwalter eine neue Lotterie ins Leben gerufen. Weil es andere Einkunftsmöglichkeiten in der Stadt kaum noch gibt, erfreut sie sich höchster Beliebtheit. Kurz, janz Berlin ist eine Wolke, auf der schweben wir in den siebten Himmel, bolzen uns gegenseitig die Bälle zu, und fallen sie dabei mal in die Spree - auch nicht schlimm, die Wasserschutzpolizei ist wegen der Ebbe in der Kasse ohnehin regulär nicht mehr einzusetzen und für jede Abwechslung dankbar.

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