Rudow : Tödlicher Busunfall - 71-Jähriger saß am Steuer

Der Busfahrer, der am Dienstagabend einen tödlichen Unfall verursacht hat, war 71 Jahre alt. Das Gesetz sieht keine Höchstgrenze beim Alter von Busfahrern vor.

von und
Für Busfahrer hat der Gesetzgeber keine Altersgrenzen nach oben gesetzt.
Für Busfahrer hat der Gesetzgeber keine Altersgrenzen nach oben gesetzt.Foto: dpa

Bei einem Verkehrsunfall in Rudow hat ein 71-jähriger Busfahrer einen 76-jährigen Fußgänger angefahren. Das Opfer starb kurz nach dem Unfall am Dienstagabend an seinen Verletzungen im Krankenhaus. Der 76-Jährige ist der erste Verkehrstote in diesem Jahr. Der Fahrer hatte den Mann um 17.45 Uhr beim Linksabbiegen von der Neuköllner Straße in die Groß-Ziethener Chaussee in der Dunkelheit übersehen. Der Polizei zufolge war der Fußgänger bei Grün über die Furt gegangen.

Der Busfahrer der Linie 373 ist für die Firma Hartmann tätig, die als Subunternehmen für die BVG mehrere Buslinien betreibt. Acht Prozent seiner Touren lagert das Berliner Verkehrsunternehmen an externe Firmen aus – insbesondere an Stadtrandgebieten. Der Fahrer hat bereits das Rentenalter überschritten. Dass er dennoch einen Bus steuert, sei nach Angaben der BVG-Sprecherin Petra Reetz „rechtens“, denn der Gesetzgeber hat keine Altersbegrenzung gesetzt. Entscheidend sei, dass ein Fahrer einen gültigen Personenbeförderungsschein (P-Schein) besitzt. Für diesen gibt es zwar ein Mindestalter (21 Jahre), aber keine Höchstgrenze.

Wichtig sind körperlicher und geistiger Zustand. Alle fünf Jahre müssen sich Busfahrer einer Fahrtauglichkeitsuntersuchung bei einem Amts- oder Betriebsarzt unterziehen. Der Amts- oder Betriebsarzt kann diesen Turnus verkürzen.

Nach Tagesspiegel-Informationen hat der 71-jährige Busfahrer gerade erst in diesem Jahr eine solche Prüfung hinter sich gebracht. Bei der Firma Hartmann war am Mittwoch auf Nachfrage keine Stellungnahme zu erhalten. Gegen den Busfahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Auch bei der BVG wäre es laut Reetz nicht ungesetzlich, einen 71-Jährigen Busse fahren zu lassen, allerdings käme dies de facto nicht vor. Der Grund: Die arbeitszeitlichen und tarifvertraglichen Regelungen führten dazu, dass kein Fahrer im Rentenalter mehr am Steuer sitze. Reetz sagt auch: „Das ist ein sehr harter Job. Das schafft keiner mehr mit 65 Jahren.“

Dem Vernehmen nach ist bei der BVG der Personalrat gegen die weitere Aushilfsbeschäftigung von Pensionären. Bei privaten Firmen sei das aber üblich und werde gerne gemacht, um Auftragsspitzen abzufangen. „Da spricht nichts dagegen, wenn sich ein Rentner was dazuverdient“, hieß es bei der BVG. Bei der Ausschreibung der Leistungen ist den Firmen keine Altersgrenze nach oben vorgegeben worden, eine solche könnte auch schnell mit dem Antidiskriminierungsgesetz kollidieren, das Arbeitgebern Vorgaben bei Geschlecht, Rasse oder Alter verbietet.

Auch bei der Senatsverkehrsverwaltung hieß es, dass die Ausschreibung Sache der BVG sei und nicht des Senats. Entscheidend sei allein der Führerschein und ein gültiges Attest eines Arztes, nicht das Alter hieß es bei der BVG und der Polizei.

Die Firma Hartmann fährt seit 2003 auf mehreren Linien für die BVG, bei der neuen Ausschreibung 2009 erhielt das Unternehmen für weitere acht Jahre den Auftrag, mehrere Linien zu betreiben, darunter auch innerstädtische wie den 204er zum Zoo. Ursprünglich war die Vergabe an Private vom Senat gewünscht worden – zur Förderung des Mittelstandes. Anfangs fuhren die Privaten zwölf Prozent der Leistungen, derzeit sind es acht Prozent, neben Hartmann unter anderem die Taxi-Innung.

Im vorigen Jahr waren 54 Menschen im Verkehr ums Leben gekommen - darunter waren 29 Fußgänger. Der älteste Unfallverursacher war ein 87-Jähriger, der mit seinem Ford bei einem Spurwechsel einen Motorradfahrer übersehen und getötet hatte. Bei Autofahrern gibt es keinerlei Altersgrenze und auch keine Pflicht zu Gesundheitsüberprüfungen.

Regelmäßig rät die Polizei vor allem älteren Fußgängern, bei Dunkelheit helle Kleidung zu tragen. Zur Kleidung des Unfallopfers von Dienstagabend gab es zunächst keine Informationen.

Autoren

25 Kommentare

Neuester Kommentar