Berlin : Rübergemacht

Ulrich Zawatka-Gerlach

Es sieht so aus, als wäre die PDS im Westen angekommen. Schon das Wahlprogramm hat die Partei vor einem Monat im Ortsteil Tiergarten beschlossen. Die Kandidaten für die Abgeordnetenhauswahl wurden gestern ebenfalls westlich der Demarkationslinie gekürt. Und ein Mann aus dem äußersten Südwesten der Republik durfte die große Rede halten: Oskar Lafontaine. Der frisch gekürte Spitzenkandidat Harald Wolf stammt wiederum aus Offenbach am Main. Früher traf sich die PDS lieber am Ostbahnhof oder im Verlagsgebäude des „Neuen Deutschland“. Die Zeiten sind vorbei, auch wenn sich manche Genossen wohl erst daran gewöhnen müssen, in den Westen rüberzumachen. Jedenfalls saßen, als die 4. Tagung des 10. Parteitags am Sonnabend, 9 Uhr, pünktlich eröffnet wurde, nur 88 von 128 Delegierten im großen Saal des Maritim-Hotels.

Das spricht entweder für eine nachlassende Parteidisziplin oder für die schwierige Anreise. Noch vor der Mittagspause geriet die innere Geografie der PDS vollends durcheinander: Parteisprecher Axel Hildebrandt hisste feierlich die Flagge seiner WM-Lieblingsmannschaft – Trinidad-Tobago.

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