Berlin : Rückgabe von Dieb oder Finder?

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Zu dem seit 14 Jahren verschwundenen "Bildnis Francis Bacon" gibt es möglicherweise eine neue Spur. Das von Lucius Freud - einem Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud - auf Kupfer gemalte Ölbild gehört der Londoner Tate Gallery. Diese hatte es 1988 an die Nationalgalerie ausgeliehen. Dort wurde das nur 17,8 mal 12,5 Zentimeter große Ölbild gestohlen.

Im Juni 2001 hatte der British Council in Berlin eine Suchaktion mit "Fahnungsbildern" des vermissten Gemäldes gestartet und eine Belohnung von 300 000 Mark für die Wiederbeschaffung geboten. Die Aktion stand im Zusammenhang mit einer in diesem Juni in London geplanten Retrospektive zu Lucian Freuds Gesamtwerk.

Derzeit sollen Berichten einer Londoner Zeitung zufolge in Berlin angeblich "Verhandlungen zur Sicherstellung des Bildes" im Gange sein. Der Kontakt soll nach der Plakataktion vom Sommer zustande gekommen sein und über einen Anwalt laufen. Bestätigt wurde dies gestern weder von der Polizei noch vom Britsh Council.

Hinter der möglichen Rückgabe des Bildes könnte der Dieb stecken, wird vermutet. Strafrechtliche Konsequenzen hat er nicht mehr zu fürchten. Der Diebstahl des Bildes war bereits zwölf Jahre nach der Tat verjährt. Wenn der Dieb sich als solcher zu erkennen gibt und ihm die Tate Gallery für die Rückgabe des Portraits die Belohnung zahlt, hat er nichts zu fürchten. Sollte er sich dagegen als Finder ausgeben und die Belohnung einstreichen, könnte er nach deutschem Recht strafrechtlich wegen Betruges und zivilrechtlich auf Rückzahlung der Belohnung belangt werden. Denn einem Dieb stehen weder Belohnung oder Finderlohn zu.

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