Berlin : Rückkehr der Ritter

Wiederbelebter Kult: Drei neue Herrscherstatuen am Schloss Charlottenburg

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Drei Helden aus Stein stehen seit gestern vor dem Neuen Flügel des Schlosses Charlottenburg: Es sind Markgraf Otto der Faule aus dem Hause Wittelsbach, Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. und der deutsche Kaiser Wilhelm I. Um 1900 hatten sie an der Berliner Siegesallee gestanden, zusammen mit 29 anderen Herrscherfiguren, die der letzte deutsche Kaiser WilhelmII. dort hatte platzieren lassen. Eine Aktion, die ihm im Volksmund den Spitznamen „Denkmalwilly“ verschaffte und der Straße die Bezeichnung „Puppenallee“. Die Art Heldenkult will die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten keinesfalls wiederbeleben, aber doch zeigen, wie wichtig das Aufstellen von Denkmälern im 19. Jahrhundert war – ein Teil monarchischer Selbstdarstellung. Mehr können Besucher des Schlosses ab 18. Oktober in der Ausstellung „Die Kaiser und die Macht der Medien“ erfahren, die gleich hinter den bis zu 2,90 Meter großen Standbildern im Neuen Flügel zu sehen sein wird. Und da die Monarchen auf der Siegesallee immer von zwei Büsten enger Vertrauter flankiert waren, werden neben den Statuen auch noch Büsten des Barockbildhauers und Architekten Andreas Schlüter und der mittelalterlichen Höflinge Heinrich von Antwerpen und Wradislaw IV., Herzog von Pommern, gezeigt.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, waren die Reste der „Puppenallee“ übrigens erst im Park des Schlosses Bellevue vergraben und in den siebziger Jahren im Lapidarium am Halleschen Ufer oder in der Spandauer Zitadelle aufgestellt. HC

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