Berlin : Rüsselküsse für die Tanten

hema

Ein Elefantenmädchen zeigt Starqualitäten. Gerade mal vier Tage alt, ließ "Temi", jüngster von vier kleinen Elefanten im Tierpark Friedrichsfelde, sich gestern keineswegs vom Geklicke der Kameras stören und tappste munter auf noch etwas wackligen Beinchen hinter der Mutter Kewa her. Dabei war es sein erster Fototermin. Die asiatische Elefantin scheint stolz zu sein auf ihren grauwolligen Nachwuchs mit den rosa schimmernden Öhrchen. Versucht der aufgeweckte Winzling doch schon - ganz wie die Mutter - Ästchen oder Heu aufzuheben. Und das 100-Kilo-Baby steckt auch schon mal neugierig das noch ungelenk wackelnde Rüsselchen durchs Gitter zu seinen "Tanten" in der Box nebenan. "Es lernt sich selbst kennen", sagt Mathias Otto, einer der fünf Tierpfleger, die rund um die Uhr im Elefantenhaus Dienst haben. Auch mütterliche Strenge hat Temi schon kennengelernt - mit einem kräftigen Schubser rief Kewagestern ihre "Tochter" - denn so heißt "Temi" aus dem Burmesischen übersetzt - immer wieder zur Ordnung und drängte sie aus dem Blitzlichtgewitter in den Hintergrund. Seit Temis Geburt hat die 18-jährige Kewa aus Burma - ein Stern auf dem Hinterteil kennzeichnet sie als Ausgebildete einer burmesischen Elefantenschule - keine Minute geschlafen. Ohne Pause stapft sie nervös umher, immer besorgt um ihren Nachwuchs. Sie muss erst lernen, dass dem Baby auch dann nichts passiert, wenn es die Augen zu- macht, weiß der Tierpfleger. "Erst, wenn die Mutter ausgeschlafen hat, hört der Stress auf." Damit meint er: Die müde Kewa könnte ausrasten, wenn sie ihr Kleines mal nicht gleich im Heu findet und ihm dabei versehentlich schaden. Anfangs ließ die Mutter das Kleine nicht mal in Ruhe schlummern, sondern hob es immer wieder hoch.

Inzwischen macht Temi fast alles, was sie will. Alle halbe Stunde zum Beispiel bei der Mutter nach Nahrung suchen. Und immer noch klappt sie dazu urkomisch das Rüsselchen zur Seite. Wenn mit Temi weiterhin alles gut geht und es draußen vor dem warmen Dickhäuterhaus mal nicht nasskalt, sondern trocken ist, kann sie vielleicht bald schon Berliner Luft schnuppern. Dank ihrer langen Beine kommt sie auch draußen im weichen Sand an Kewas Zitzen ran. Das hat sie ihren kleinen afrikanischen Artgenossen Matibi, Tutume und Tana voraus, deren Beine dazu anfangs zu kurz waren.

Wie viel Temi genau auf die Waage bringt, kann bisher nur geschätzt werden. Dem Tierpark fehlte die richtige Waage. So um die hundert Kilo werden es aber sein. Da Ankhor in seiner Box sozusagen in Habacht-Stellung steht, auch wenn ihn sonst nach einzelgängerischer Elefantenbullenart die aufgeregten "Weiber" nichts angehen, und Kewa das mit Temi so prima hingekriegt hat, sollte der Tierpark schon mal an eine solche Anschaffung denken. Nur das Elefantenhaus platzt wohl irgendwann aus allen Nähten.

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