Berlin : Rütli-Schule bangt um ihre Sozialarbeiter

Bildungsverwaltung soll Finanzierung sichern. Grüne diskutierten über Zukunft der Hauptschulen

Susanne Vieth-Entus

In Sachen „Rütli-Schule“ ist Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) gebranntes Kind. Um abermalige Negativschlagzeilen zu verhindern, wandte er sich gestern schriftlich an seinen Parteifreund Bildungssenator Jürgen Zöllner und mahnte ihn, tätig zu werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Verträge für die beiden so hoch gelobten türkischen Rütli-Sozialarbeiter auslaufen, ohne dass die Bildungsverwaltung bisher die weitere Finanzierung geklärt hätte.

Bisher wurden die beiden Stellen aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ finanziert, die aber nur für „aktuelle Problemlagen“ verwendet werden sollen. Eine Dauerfinanzierung müsse deshalb anderweitig gesichert werden, erläutert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dem Vernehmen nach hat die Bildungsverwaltung bislang aber nicht auf entsprechende Hinweise reagiert. Stattdessen heißt es in einem Schreiben der Bildungsverwaltung, dass es sich bei den beiden Sozialarbeitern „im Prinzip um ein regionales Projekt handelt“, das eher in die Zuständigkeit des Bezirks falle. Im Übrigen könne die Schule das Problem vielleicht auch mit ihrem Vertretungsbudget selbst lösen. Buschkowsky schließt daraus „mit Sorge“, dass der Bildungsverwaltung die „Sensibilität“ für den Sachverhalt und seine „Öffentlichkeitsträchtigkeit“ fehle.

Die derart gescholtene Behörde wies gestern Buschkowsky Darstellung zurück. Sprecher Kenneth Frisse versicherte, dass die Finanzierung der Stellen sehr wohl gesichert werde. „Wir sind im Gespräch mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und werden eine Lösung finden“, lautete Frisses Auskunft.

Die Frage, wie nicht nur im Kleinen mithilfe von Sozialarbeitern, sondern auch im Großen das Hauptschulproblem gelöst werden könne, beschäftigte am Dienstagabend Bildungsexperten. Eingeladen hatten die Grünen, die eine Zusammenlegung von Haupt-, Real- und Gesamtschulen fordern. Daneben soll es nur noch Gymnasien geben. Sie wollten vom ehemaligen GEW-Bundesvorsitzenden Dieter Wunder wissen, warum er – anders als sein Nachfolger und anders als die Berliner GEW-Spitze – ebenfalls für eine Zweigliedrigkeit eintritt und nichts von der Abschaffung der Gymnasien und der Einführung einer Gemeinschaftsschule hält. „Wie soll die Abschaffung der Gymnasien in einer Demokratie funktionieren?“, fragte Wunder in die Runde. Da das Gymnasium von so vielen Menschen gewünscht werde, müsse man von seiner Existenz ausgehen. Da aber die Hauptschulen unbedingt abgeschafft werden müssten, bleibe eben nur als Ausweg ein zweigliedriges System. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) dagegen mahnte abermals vor übereilten Strukturveränderungen. Auch die Bedenken der Realschullehrer und -eltern gegen die Fusion mit Hauptschulen müssten berücksichtigt werden.

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