Berlin : Rund 40 Millionen Mark Defizit in zwei Jahren - Einsparungen durch Personalabbau

Klaus Wieking

Mit Personalabbau und einer Reform will sich der tief in die roten Zahlen geratene Landesverband Berlin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sanieren. So wird der defizitäre Blutspendedienst des Berliner DRK nach Angaben seines Präsidenten Klaus Schütz wahrscheinlich noch in diesem Jahr mit anderen DRK-Spendediensten fusionieren. Unterdessen hat der in Konkurs gegangene DRK-Kreisverband Schöneberg-Wilmersdorf schwere Vorwürfe gegen den Landesverband erhoben. Der Landesverband habe das DRK Schöneberg-Wilmersdorf im Stich gelassen.

Die beiden vergangenen zwei Jahre liefen für das DRK Berlin ausgesprochen schlecht. Jedes der Geschäftsjahre beendete der Verband mit einem Minus von rund 20 Millionen Mark. Vor allem in zwei "Kerngeschäften" machte das DRK Millionenverluste. So muss sich das Rote Kreuz beispielsweise bei den Blutspenden privater Konkurrenz erwehren, die anders als das DRK sein Personal nicht wie öffentlich Bedienstete bezahlen muss. Gleichzeitig ging der Blutbedarf in den Kliniken zurück.

Rückläufig ist auch die Zahl der Flüchtlinge, die früher in DRK-Heimen wohnten. Allein in den vergangenen zwei Jahren mußte das DRK Berlin nach Angaben seiner Sprecherin Susanne Arabi sieben Heime mit über 2000 Plätzen schließen. Mit dem Abbau der Plätze verloren fast 100 der rund 2500 DRK-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Für sie und andere Entlassene zahlte der Landesverband rund zehn Millionen Mark Abfindungen. Mit harten Maßnahmen will das Rote Kreuz jetzt laut Schütz sein Defizit bis Ende des Jahres halbieren und 2001 wieder ausgleichen. Dazu erarbeitet derzeit die Unternehmensberatung Ernst & Young ein Konzept. Dies wird, soviel ist sicher, auch Personalabbau einschließen, der allerdings sozialverträglich ausfallen soll. "Das wird kräftige Auswirkungen haben", sagte der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin. Konkrete Zahlen nannte Schütz indes nicht. Gleichzeitig strebt das Berliner DRK eine Fusion seines Blutspendedienstes mit denen anderer nördlicher Landesverbände an. Hierzu werden unter anderem Gespräche mit den Verbänden in Hamburg und Schleswig-Holstein geführt. Ein Ergebnis erwartet Schütz Mitte des Jahres. Zurückhaltend äußerte sich er zu eventuellem Fehlverhalten innerhalb des DRK-Managements, das zu der Schieflage beigetragen haben könnte. "Mögliche Fehler", so Schütz, könne er nicht ausschließen.

Konkretere Kritik äußert dagegen der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Schöneberg-Wilmersdorf, Georg Sarwas. Sein Verband war Ende 1999 in Konkurs gegangen, das Insolvenzverfahren läuft. Sarwas wirft dem Landesverband unter anderem vor, den Kreisverband trotz Schulden in die Selbstständigkeit gedrängt zu haben und zu versuchen, durch das Insolvenzverfahren Geld für Abfindungen zu sparen. "Wir fühlen uns im Stich gelassen", so Sarwas. DRK-Sprecherin Arabi wies die Vorwürfe zurück. Der Kreisverband habe trotz Aufforderung kein Sanierungskonzept vorgelegt. Noch 1999 habe das Landes-DRK dem Verband einen Kredit in Höhe von 450 000 Mark gewährt.

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