Berlin : "Rund ums Karree": Das große Berlin im Kleinen

Björn Seeling

Marlene Dietrich ist auf einer Insel geboren. Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Spandau an. Eine ganze Kleinstadt lebt unter einem Dach. Diese und andere kleine Wunder der Großstadt erkundete der Tagesspiegel bei seinen Spaziergängen "Rund ums Karree".

Fast 200 Mal erschienen seit November 1996 die montäglichen Reportagen aus der Nachbarschaft. Dabei ging es nicht nur auf die Schöneberger Insel, ein Viertel, das so heißt, weil es durch Eisenbahngleise vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Die Bummel führten auch nach Old Texas Town in Spandau, wo sich Freizeitcowboys eine Westernstadt errichtet haben, und ins Corbusierhaus, in dem so viele Menschen wohnen, dass die Erbauer eine Ladenzeile einplanten. Der Postbote braucht hier einen ganzen Tag, um alle Briefe zu verteilen.

Mit dem heutigen Rückblick endet die Reihe, die das große Berlin im Kleinen vorstellte: Von A wie Adenauerplatz in Charlottenburg bis Z wie Zionskirchplatz in Mitte, vom Bummel über Boulevards bis Wanderungen um Weiher. Denn nicht nur in die quirlige City wie zum Kurfürstendamm oder zur Schönhauser Allee führten die Ausflüge, sondern auch in Gegenden, wo Berlin noch Dorf ist und das Leben ein wenig ruhiger verläuft: wie nach Lübars im Norden, wo es richtige Landwirte gibt, oder nach Rahnsdorf - im Südosten, wo noch Fischer ihre Reusen im Müggelsee aufstellen.

200 Spaziergänge "Rund ums Karree" bedeuteten auch, ebenso viele liebenswürdige Mitmenschen, fast allesamt Philosophen des Alltags, kennen zu lernen: Da war das Ehepaar, das seit fast 50 Jahren in den Hackeschen Höfen in Mitte die Stürme der Veränderungen über sich ergehen lassen musste. Und es gab den Renter auf der Trabrennbahn Mariendorf, der allein wegen der Atmosphäre keinen Renntag ausließ. Außerdem erzählte ein Marzahner, wie es vor 25 Jahren kam, dass er zu den ersten Bewohnern des neu gegründeten Bezirks gehörte: Er wollte lieber fließend Wasser aus dem Hahn im Neubau an der Marchwitzastraße als von den Wänden im Altbau an der Rykestraße.

Das Leben im Kiez wird auch künftig seinen Platz auf den Bezirksseiten des Tagesspiegels haben. Schon bald startet eine neue Reihe, die einen überraschenden Blick auf Berlin erlauben wird.

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