Berlin : Rundblick auf die geteilte Stadt

Ein neues Panorama des Künstlers Yadegar Asisi eröffnet am 22. September am Checkpoint Charlie.

Jessica Tomala
Rücksturz in die 80er. Das Panoramabild ist 100 Meter lang, wird in einer Stahlrotunde aufgehängt, und zeigt das Leben an und mit der Mauer. Simulation: Promo
Rücksturz in die 80er. Das Panoramabild ist 100 Meter lang, wird in einer Stahlrotunde aufgehängt, und zeigt das Leben an und mit...

Am Checkpoint Charlie entsteht ein neues Panometer des Künstlers Yadegar Asisi. Ab dem 22. September soll das Panoramabild an der Ecke Friedrich- und Zimmerstraße für Besucher zugänglich sein. Die Bauarbeiten für das Rundbild „Die Mauer – Das Asisi-Panorama zum geteilten Berlin“ begannen bereits am 22. Juni. Das Bild wird einen Herbsttag in den 80er Jahren an der Berliner Mauer zeigen. „Ich habe zu der Zeit bereits in Kreuzberg an und mit der Mauer gelebt. Das Panorama bündelt meine Erfahrungen und erzählt dem Betrachter Geschichten, die so nicht zeitgleich geschehen wären“, sagt Asisi, der sein Atelier am Oranienplatz hat. Auf einem Viertel der Fläche soll eine Gründerzeitfassade aufgebaut werden, durch die Besucher der vier Meter hohen Plattform in Wohnungen schauen können. Diese Arbeit wird ein Bühnenbildner übernehmen. Mit Einblicken in die Fenster der Wohnungen in Ost und West, zeigt der Künstler, wie die Bewohner sich mit den Umständen arrangierten. „Sie schauen fern, feiern Feste oder lesen Zeitung“, sagt Asisi.

Auf dem Panoramabild, das in einer 18 Meter hohen und 28 Meter Durchmesser großen Stahlrotunde präsentiert wird, werden Graffiti-Maler, spielende Kinder, Betrunkene an einer Currywurstbude im Westen und DDR-Grenzsoldaten, die ihren Kontrollen auf dem Todesstreifen nachgehen und aus den Wachtürmen das Leben im Westteil der Stadt beobachten, zu sehen sein. Im Osten rufen weiße Parolen auf rotem Untergrund zur Staatstreue auf, während im Westen bunte Reklamen den Konsum anfachen.

Wie alle anderen Panoramen wird auch das neue Panoramabild etwa 100 Meter lang sein. An dem bekanntesten Grenzkontrollpunkt in Berlin soll gezeigt werden wie „alltäglich und grausam die Normalität der geteilten Stadt“ während des kalten Krieges war. Mehrere Jahre lang arbeitete der Künstler daran.

Torsten Wöhlert, Pressesprecher der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten, sieht in dem neuen Panometer auch eine Ergänzung der gegenüberliegenden Infobox, mit der der Senat ab September für den Bau eines Museum des Kalten Krieges werben möchte, das 2015 eröffnet werden soll. „Ich denke, die Besucher werden sich sicherlich beide Attraktionen ansehen. Das Interesse an Zeitgeschichte in Berlin ist ungebrochen“, sagt Wöhlert. Erst gestern hatte der Tagesspiegel vom Besucherandrang auf die Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen berichtet.

Noch ist unklar, wie hoch die Kosten für das Panometer sein werden, auch zu den Besucherzahlen wollte sich die Pressesprecherin von Asisi nicht äußern.

Yadegar Asisi, Sohn persischer Emigranten, wurde 1955 in Wien geboren und wuchs in Leipzig und Halle/Saale auf. Nach Abschluss seines Architekturstudiums an der TU Dresden 1978 zog er nach West-Berlin. Hier studierte er Malerei und arbeitete als Architekt und Künstler. In den 90er Jahren entdeckte er das Medium Panorama. In Leipzig und Dresden gibt es seit 2003 zwei feste Panometer des Künstlers, „Amazonien – Zauberbild der Natur“ und „Rom 312 – das Erlebnis der antiken Weltstadt“. Die Bezeichnung „Panometer“ ist seine Wortschöpfung, zusammengesetzt aus Panorama und Gasometer. Sie ist bezeichnend für seine Arbeit, die in einer zylindrischen Rotunde ausgestellt wird. Bis 30. September zeigt das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel die Ausstellung „Pergamon – Panorama einer antiken Metropole“, für die Asisi ein 360-Grad–Panorama installierte, das die Stadt Pergamon auf einem 25 mal 100 Meter großen fotorealistischen Rundbild zeigt. Jessica Tomala

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar