Berlin : Runglischer Jazz

Der amerikanische und der russische Botschafter luden gemeinsam zum Weihnachtskonzert

Elisabeth Binder

Noch gar nicht so lange her, da hätte man das für komplett unmöglich gehalten: Dass der amerikanische und der russische Botschafter Seite an Seite im prachtvollen Konzertraum der russischen Botschaft stehen und ihre gemeinsamen Gäste zum Weihnachtsjazz begrüßen.

Berlin ist die Stadt, in der man immer wieder neue schöne Bilder eines Happy Ends erleben kann. Nur wenige Schritte von der Linie entfernt, wo so lange der Eiserne Vorhang Welten und Menschen trennte, gab es am Mittwoch Abend eine unglaubliche Jazz Session mit der Amerikanerin Jocelyn B. Smith und dem Russen Igor Butman und seinem Quartett. Nur eine dreiviertel Stunde hatten sie Zeit gehabt, gemeinsam zu proben. Dann improvisierten sie Klassiker wie „Summertime“ und „I feel good“ mit einer umwerfenden Intensität. Musik sagt eben ehrlich und eindringlich, wenn die Vibrationen zwischen Menschen stimmen.

Botschafter Vladimir Kotenev begrüßte seine Gäste mit der Erzählung vom russischen Kosmonauten, der im Weltall mit Amerikanern zusammengearbeitet hatte und auf die Frage nach der Verständigungssprache antwortete: „Wir haben Runglisch miteinander gesprochen.“ Mit einem rein russischen „Guten Abend“ begann US-Botschafter Dan Coats seine Begrüßungsansprache. Auf Englisch sprach er dann weiter von einem sehr besonderen Abend, der Jazz, die Stimme der Hoffnung, mit Weihnachten, dem Fest des Friedens und der Hoffnung, verbinde. Am Schluss erwähnte er, stolz lächelnd, noch seine neue Enkeltochter Anna Alice in New York.

Igor Butman, der in Moskau häufiger in der US-Residenz auftritt, erzählte von einem Konzert in New York, wo er die eigens dafür geschriebene Komposition eines amerikanischen Jazzers aufführte. Das Stück hieß „US“, und er dachte zunächst, es beziehe sich auf United States. Wenn man freilich „US“ ins Deutsche übersetzt, kommt ein großes „Wir“ dabei heraus, und genau das war der richtige Titel des Stücks. Der großartige Saxophonist und die glutvolle Sängerin rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Es sei eine große Ehre gewesen, dabei zu sein, sagte Jocelyn B. Smith anschließend. Schließlich war es nicht nur für die Botschafter eine gute Erfahrung von Grenzüberwindungen.

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