Berlin : Russisch beten

In Pankow ist eine orthodoxe Kirche geplant Investoren wollen Bezirk das Projekt jetzt vorstellen

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Der Streit um den Moschee-Neubau ist noch in vollem Gange, da bahnt sich in Pankow eine weitere Debatte um ein außergewöhnliches Gotteshaus an. Eine deutsch-russische Investorengruppe plant, am westlichen Rand des Volksparks Friedrichshain eine russisch-orthodoxe Kirche zu bauen, dazu ein russisches Einkaufszentrum. Die Kirche soll nach dem Willen der Projektgruppe als neues Heim für die russisch-orthodoxe Gemeinde dienen, der die Kathedrale in Wilmersdorf mit der Zeit zu klein geworden ist. An diesem Donnerstag will die Projektgruppe ihr Vorhaben dem Bauausschuss der Bezirksverordnetenversammlung vorstellen, bestätigt dessen Vorsitzender Thomas Goetzke (Linkspartei/PDS).

Ob das Vorhaben jemals realisiert wird, ist allerdings noch lange nicht ausgemacht, stellt Goetzke klar. Anders als bei der in Pankow-Heinersdorf geplanten Moschee befindet sich das von der russischen Gemeinde anvisierte Grundstück an der Danziger Straße Ecke Kniprodestraße nicht im Besitz der potenziellen Bauherren, sondern gehört dem Land. Neben der Kirche gibt es mindestens zwei andere Pläne für den Boden: Neben einer Feuerwache, die seit langem geplant ist, gibt es auch das Interesse eines Privatinvestors, der Loft-Häuser errichten möchte. Zuerst müsste allerdings das Baurecht so geändert werden, dass auf dem Boden privat gebaut werden darf. Bislang wird das Grundstück im östlichen Teil von Prenzlauer Berg als Liegewiese und für Beachvolleyball genutzt. Der Bauausschuss-Vorsitzende Goetzke sähe es am liebsten, wenn der Boden weiter als Freizeitwiese genutzt werden könnte – auch, weil er sonst „Angst vor einer neuen Bürgerbewegung“ hätte, die sich ähnlich wie die Moschee-Gegner gegen die russisch-orthodoxe Kathedrale richten könnte.

Die Moscheegegner verteilen in diesen Tagen stadtweit Postkarten an Privathaushalte, mit denen sie um Unterstützung für ihren Kampf gegen das muslimische Gotteshaus in Heinersdorf werben. Bislang habe man 6000 Karten zurückbekommen, sagt Initiativ-Sprecher Joachim Swietlik. Die Unterschreibenden fordern die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde unter anderem dazu auf, sich einen Standort in Reinickendorf zu suchen, wo sie in den vergangenen 17 Jahren eine Behelfsmoschee hatte. Der Streit um die Moschee und auch der möglicherweise damit in Verbindung stehende Brandanschlag auf den CDU-Politiker René Stadtkewitz beschäftigten am Montagabend die Bezirksverordnetenversammlung in Pankow. Nach kontroverser Debatte stimmten alle Parteien einer Erklärung zu, die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ablehnt. lvt

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