Berlin : Rutschpartie

Steffi Bey

Die Spreepark GmbH im Plänterwald soll in einen Korruptionsskandal verwickelt sein. Das geht aus einem anonymen Brief hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Darin wird behauptet, Norbert Witte von der Spreepark GmbH, der Stadtrat für Stadtentwicklung Oliver Scholz (CDU) und eine dritte Person, hätten am Rande einer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einen Deal vereinbart: "Es ging um die Kosten für das Drucken von Wahlkampfmaterial der CDU. Es wurde vereinbart, dass die Rechnungen von der Druckerei an den Spreepark zu Händen Herrn Witte geschickt werden sollten und dass der Spreepark somit diese bezahlt."

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Dafür soll die dem anonymen Briefeschreiber unbekannte, männliche Person, 500 Freikarten für den Vergnügungspark erhalten haben, um sie dann der CDU Lichtenberg zu übergeben. Auch über fehlende Baugenehmigungen sei an jenem Abend gesprochen worden, heißt es in dem Brief. Und weiter: "Herr Scholz sicherte zu, diese Dinge irgendwie zu klären und gegebenenfalls ein Handeln des Bauamtes wegen Schwarzbauen zu verhindern."

Norbert Witte von der Spreepark GmbH sieht "diese ganze Geschichte" als eine "böswillige Attacke" gegen den Freizeitpark. "Deshalb habe ich auch eine Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt", erklärte er gestern auf Nachfrage. Dieses Gespräch am Rande einer BVV habe nie statt gefunden. Auch Freikarten seien in diesem Jahr nicht an die CDU-Lichtenberg gegangen, betont der Spreepark-Mitarbeiter. Gleichzeitig gab er zu, in den vergangenen Jahren für verschiedene Parteien, verschiedene Beträge gespendet zu haben. "Aber das ist doch nichts Anstößiges", betont Witte. Stadtrat Scholz war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Und der frisch gewählte Fraktionsvorsitzende der Lichtenberger CDU erklärte gestern: "Nach meinem Kenntnisstand haben die Christdemokraten keine Freikarten erhalten."

Jutta Matuschek, PDS-Verordnete im Berliner Abgeordnetenhaus, erscheint der anonyme Brief glaubwürdig. Schließlich macht die Spreepark GmbH seit Jahren mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam, sagt sie. So musste der Vergnügungspark beispielsweise 1997 eine Ordnungsstrafe zahlen, wegen der ungenehmigten Inbetriebnahme von Fahrgeschäften. Auch um den ausreichenden Versicherungsschutz für das 27 Hektar große Areal gibt es Streit. Außerdem behauptet der Freizeitpark, das Land Berlin und der Bezirk seien mitverantwortlich für die Schulden, die sich auf mittlerweile 17 Millionen Mark addiert haben. Wittes Forderungen nach mehr Parkplätzen wurden mit dem Verweis auf den bestehenden Landschaftsschutz abgelehnt. Auch die Erbpacht sei in den vergangenen Monaten nicht regelmäßig bezahlt worden. Witte führt diese Misere auf angeblich fehlende Rahmenbedingungen am Standort zurück.

Wie berichtet, liebäugelt er mit einem Umzug auf das ehemaligen russische Militärgelände an der Treskowallee. Ob die Fahrgeschäfte wirklich eines Tages in den Nachbarbezirk ziehen, ist noch völlig offen. Nicht nur eine Karlshorster Bürgerinitiative kämpft vehement dagegen, auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zeigte dem Bezirksamt Treptow-Köpenick zunächst die rote Karte.

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