Berlin : RZ-Prozess: Die Vita des Kronzeugen

Barbara Junge

Ein nüchternes Nicken in Richtung Anklagebank, ein freundliches Lächeln zur Vorsitzenden Richterin, und häufig stockt dem Zeugen der Bundesanwaltschaft die Stimme. Tarek Mousli begegnet an diesem Freitag im großen Saal am Landgericht Moabit zum ersten Mal der Gruppe, die er beschuldigt, als Revolutionäre Zellen in den 80er und Anfang der 90er Jahre in Berlin Anschläge verübt zu haben.

Kurz nach halb elf betritt der Kronzeuge mit Bewachern aus dem Zeugenschutzprogramm den Saal. Seine Augen hinter einer braunen Brille mit großen Gläsern geschützt, die braune Fönfrisur sieht nach Perücke aus und nichts an der formalen Sprache, am lindgrünen Hemd, der grauen Krawatte und der dunklen Businesshose des mittlerweile 42-jährigen Karatelehrers deutet den politischen Kämpfer an. Dabei wird hier die linksradikale Szene Berlins der frühen 80er Jahre verhandelt. In deren Mitte, so der Zeuge in seinen eigenen Ausführungen: Tarek Mousli.

Unter Anklage der Mitgliedschaft bei den Revolutionären Zellen (RZ) stehen vier Männer und eine Frau. Sie alle betrachten denjenigen, der sie beschuldigt, mit fragenden Blicken. Nur einer von ihnen, Rudolf Schindler, war Tarek Mousli schon vor Gericht begegegnet. Gegen Rudolf Schindler wurde auch schon bei einem weiteren RZ-Prozess in Frankfurt (Main) - dem Opec-Prozess - Anfang des Jahres verhandelt. Dort führte die Aussage Mouslis jedoch nicht zu einer Verurteilung Schindlers, da andere Zeugen seiner Darstellung widersprochen hatten.

Mousli kennt - wie er betont - alle. Doch ein Blickkontakt kommt nicht zustande. Ohnehin drehte sich gestern in Moabit erst einmal alles um den Zeugen; seine Vita, seinen Einstieg in der linksradikale Szene, seine Kontakte zu den heute Angeklagten.

Um die persönlichen Kontakte Tarek Mouslis wird es vor allem gehen in diesem historisch-anmutenden Prozess. Die Anklage stützt sich allein auf Mousli, und so wird das Gericht ergründen müssen, was der Zeuge weiß, was er wissen könnte, und woran er selbst tatsächlich beteiligt war. Die Anwälte der Verteidigung wie auch die Bundesanwälte erwarten deshalb einen sich lang hinziehenden Prozess. Für die nächsten drei Prozesstage ist der Bericht des Zeugen, die Befragung durch die Richterin und die Bundesanwaltschaft vorgesehen. Dann steht die Vernehmung durch die Verteidigung an.

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