Berlin : S-Bahn fährt BVG an den Karren

Heftiger Streit um das neue Metrobus-Konzept, das heute vorgestellt werden soll

Jörn Hasselmann

Noch hat die BVG das neue Metro-Linien-Netz nicht öffentlich vorgestellt – da hat die S-Bahn es schon scharf kritisiert. „Das akzeptieren wir so nicht“, sagte S-Bahn-Marketingdirektor Wolfgang Kramer gestern. „Das ist ein Unternehmenskonzept, aber keine verkehrspolitische Neuerung, die der ganzen Stadt dient.“

Die S-Bahn kritisiert vor allem, dass es keine Zusammenarbeit bei der Planung gab – was die BVG bestreitet. Zudem ärgert sich die Bahn, dass ihr die BVG angeblich Fahrgäste wegnehmen will, indem sie bewusst schnelle Buslinien parallel zu S-Bahn-Strecken anbietet – auch diesem Vorwurf widersprach die BVG gestern mit harschen Worten.

Die S-Bahn nennt Beispiele, etwa den Metro-Bus M 27. Dieser fährt, wenn sich die BVG mit ihren Plänen beim Senat durchsetzt, künftig parallel zum Nordring (siehe Grafik). Und zwar auf direkterem Weg als derzeit der 227er Bus und zudem in wesentlich dichterem Takt. Der M 27 würde so schnell wie die S-Bahn sein und ihr deshalb Fahrgäste wegnehmen, so die Befürchtung der Bahn. Die BVG will das Konzept, wie berichtet, heute der Öffentlichkeit vorstellen. 24 Metrolinien (15 Buslinien und neun Straßenbahnlinien, siehe Kasten) will die BVG an sieben Tagen mindestens je 20 Stunden fahren lassen. Für das Metronetz soll eine eigene Netzspinne gedruckt werden – wie für U- und S-Bahn.

Bei der S-Bahn hätte man es gerne, wenn Busse vor allem die Wohngebiete erschließen und die Fahrgäste zu U- und S-Bahnhöfen bringen. Den Senat sieht die S-Bahn bei dieser Aufgabenteilung auf ihrer Seite. Denn die S-Bahn soll eine schnelle Verbindung über große Entfernungen anbieten. Sauer ist das Unternehmen auch deshalb, weil die Metrolinien bis Mitternacht in dichtem Takt rollen sollen, alle 10 oder sogar alle 5 Minuten. Die S-Bahn dagegen fährt nach 20 Uhr oft nur alle 20 Minuten – mehr bezahlt das Land Berlin nicht. Die S-Bahn vermisst zudem Verbesserungen in der Anbindung des Brandenburger Umlandes, so die Kritik gestern.

Verkehrspolitiker befürchten überdies, dass die BVG das Metro-Netz durch Kürzungen im Restnetz erwirtschaftet. Auch bei der S-Bahn hieß es: Die BVG-Pläne „kann sich die Stadt einfach nicht leisten“. Verwundert über die massive Kritik zeigte sich gestern die BVG. „Wir bauen den Parallelverkehr ab“, sagte Marketingdirektor Tom Reinhold. Nach BVG-Berechnung verdiene die S-Bahn jährlich drei Millionen Euro mehr, wenn das Metro-Netz eingeführt wird. Denn es sei auch das Ziel der BVG, mehr Fahrgäste zur S-Bahn zu bringen. Dem aber widerspricht die S-Bahn: Auch weiterhin gebe es kaum funktionierende „Umsteigeknoten“ wie Tegel oder Spandau. Dort steuern viele Busse den jeweiligen U- und S-Bahnhof an. „Wieso gibt es das nicht auch am Rathaus Steglitz?“, fragt die S-Bahn. Der mit Millionenaufwand gebaute unterirdische Omnibusbahnhof sei doch „ein Ort der Stille“, lästerte ein S-Bahner gestern, nahezu unbenutzt und von Fahrgästen gemieden.

Wie berichtet, ahnte die BVG schon, dass sie mit ihrem neuen Metro-Netz mit der S-Bahn aneinandergeraten wird. So verzichtete sie darauf, die Buslinien 145 (Zoo – Spandau) und 148 (Zehlendorf – Alexanderplatz) in „M“ umzubenennen: Seit Jahren kritisiert die S-Bahn bei diesen Linien einen angeblichen Parallelverkehr zu ihrem Angebot. Der Takt des 148ers soll aber jetzt verdichtet werden – auf Metro-Niveau.

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