S-Bahn : Hinter den Kulissen

Ein Besuch bei S-Bahn-Mitarbeitern mit Spätfolgen für die Linken, die liberale Skepsis vor öffentlichen Verkehrsmitteln an diesem Marathon-Wochenende und ein Kräftemessen mit Strohballen zwischen SPD und Junger Union.

Der Fraktionsvorstand der Linken und Parteichef Klaus Lederer besuchten vergangenen Dienstag Beschäftigte der S-Bahn in der Invalidenstraße und bekundeten ihre Solidarität mit den Mitarbeitern. Es könne ja wohl nicht sein, dass die Vorstände von S-Bahn und Deutscher Bahn den Mitarbeitern den „Schwarzen Peter“ für die Probleme zuschieben, sagte Lederer. Stattdessen müsse die S-Bahn am besten aus dem Bahnkonzern herausgelöst werden und in kommunalen Besitz übergehen. Während Lederer nach dem Treffen noch mit S-Bahn-Mitarbeitern sprach, bemerkte er gar nicht, dass die Fraktionsspitze schon mit dem Auto weggefahren war. Der Linkspolitiker, ein regelmäßiger Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel, lief zur S-Bahn und musste eine Viertelstunde bis zur nächsten Bahn warten. Zur Fraktionssitzung kam er deshalb zu spät. Dieses S-Bahn-Erlebnis hatte einen Tag später auch der S-Bahn-Betriebsratschef Heiner Wegner, der zur Verkehrsausschusssitzung mit den Öffentlichen prompt zu spät kam.

Das S-Bahn-Desaster hat indirekt bei der FDP-Fraktion am Freitag großes Amüsement ausgelöst. In einer Pressemeldung der Polizei war zu lesen, dass die Polizei während des Marathon-Wochenendes allen Verkehrsteilnehmern empfiehlt, „nach Möglichkeit“ die Öffentlichen, „insbesondere U- und S-Bahn“, zu nutzen. Diese Information sei angesichts der Verspätungen und des Ausfalls von bisher 55 000 S-Bahn-Zügen in diesem Jahr nur „sehr begrenzt“ hilfreich, scherzte FDP-Sprecher Joe Dreixler.

Im Wahlkampf geht es zwar viel um Inhalte. Das körperliche Kräftemessen muss dabei aber nicht fehlen. Vergangenen Sonnabend trat auf dem Rixdorfer Strohballenrollen am Richardplatz das Team des Neuköllner SPD-Direktkandidaten Fritz Felgentreu gegen die Junge Union an. Die Sozialdemokraten freuten sich über den „haushohen Sieg“ gegen die jungen Christdemokraten. Es wird sogar kolportiert, dass sich das JU-Team Verstärkung aus einem Fitnessstudio geholt hatte. JU-Landeschef Conrad Clemens weist das empört zurück. „Wir sind sehr gut trainierte junge Leute.“ Die SPD solle sich schön in Acht nehmen. Die Revanche komme bald – am 27. September. Sabine Beikler

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