Berlin : S-Bahn: Nachtfahrten ab 2007

Klaus Kurpjuweit

Ein wenig müssen die S-Bahn-Fahrgäste noch warten und auch einiges Leid erdulden, aber spätestens 2007 soll - fast - alles besser werden. Die Züge können auf dann sanierten Strecken schneller fahren, was die Fahrtzeiten verkürzen wird, und dann soll es auch einen durchgehenden Nachtverkehr an Wochentagen geben. Bisher ist er auf das Wochenende beschränkt. 3 Milliarden Mark will die S-Bahn noch bis 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft investieren. 4 Milliarden Mark hat sie seit dem Fall der Mauer bereits in ihr Netz gesteckt.

Dabei baut sie eigentlich "verkehrt" herum, wie Geschäftsführer Günter Ruppert jetzt sagte. Vom Betrieb her gesehen, hätte man zuerst das vorhandene, marode Netz auf Vordermann bringen müssen und erst dann die durch den Bau der Mauer entstandenen Lücken schließen dürfen. Doch politisch gab es nur die eine Lösung: die getrennten Netze in Ost und West schnell zu verbinden. Hinter diesem Konzept steht auch die S-Bahn.

Dieses "Lückenschlussprogramm" ist weitgehend abgeschlossen. Jetzt fehlen noch die Verbindung am Nordring (für 2002 geplant) sowie die Gleise zwischen Lichterfelde Süd und Teltow (Mitte 2004). Ob auch zwischen Spandau und Falkensee die S-Bahn wieder fahren wird, ist noch nicht entschieden. Rund 80 Kilometer einst stillgeleger Strecken sind wieder aufgebaut worden.

Nun macht sich die S-Bahn verstärkt an die Arbeiten, mit denen sie unter normalen Umständen begonnen hätte. Die vorhandenen Gleise einschließlich vieler Brücken müssen saniert und die Signalanlagen modernisiert werden. Schwerpunkt ist derzeit die Wannseebahn zwischen Anhalter Bahnhof und Wannsee. Zwölf Wochen lang wird deshalb dort, wie berichtet, der Verkehr vorübergehend eingestellt.Vom 28. Mai bis zum 8. Juli fahren keine Züge zwischen Sundgauer Straße und Rathaus Steglitz, anschließend wird auch noch bis zum 20. August der Abschnitt bis zum Anhalter Bahnhof unterbrochen. Als Ersatz fahren dann Busse auf der Straße. Etwa 50 000 Fahrgäste werden täglich davon betroffen sein.

Nach Abschluss der Arbeiten können die Züge im Fünf-Minuten-Abstand fahren; derzeit lassen die Signale nur zehn Minuten zu. Ende 2002 will die S-Bahn dann auch im Bahnhof Friedrichstraße den unteren Bahnsteig renovieren, der sich derzeit noch im Charme der DDR präsentiert. Bei der aufwendigen Sanierung des Bahnhofes von 1994 bis 1998 war dieser Bereich ausgespart worden. So gibt es dort bis heute auch keine Rolltreppen vom Tiefgeschoss bis in die Halle.

2003 will die S-Bahn dann mit der Komplettsanierung des Abschnitts Zoo-Wannsee beginnen. Zwischen Zoo und Charlottenburg wird der Verkehr dazu etwa ein Jahr unterbrochen. Deshalb soll bis dahin die Sanierung der Wannseebahn abgeschlossen sein, damit es eine Alternativroute gibt. Zu den Arbeiten zwischen Zoo und Westkreuz gehört auch die Verschiebung des S-Bahnhofes Charlottenburg, um den Umsteigeweg zur U-Bahn-Station Wilmersdorfer Straße von 270 Meter auf 78 Meter zu verkürzen.

Bis 2005 ist zudem vorgesehen, die Abschnitte Schönholz-Tegel (mit einem neuen Haltepunkt Borsigwalde) und Schöneweide-Spindersfeld zweigleisig auszubauen, um einen Zehn-Minuten-Takt zu ermöglichen. Ein zweites Gleis in Hegermühle soll außerdem nach Strausberg Nord einen 20-Minuten-Verkehr zulassen. Derzeit ist dort nur ein 40-Minuten-Takt möglich.

Bis 2006 wird es außerdem nur noch neuere Fahrzeuge geben. 300 Zwei-Wagen-Einheiten, so genannte Viertelzüge, der Baureihe 481 hat die S-Bahn bereits erhalten. 500 sind insgesamt bestellt - für 2,1 Milliarden Mark. Und beim Geld hat Ruppert eine gute Nachricht. Der Bund habe fest zugesagt, das Programm "Hauptstadt-S-Bahn" zu finanzieren.

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