Berlin : S-Bahn-Ring bald ohne Aufsichten

Ende 2010 soll das Netz komplett umgestellt sein

Klaus Kurpjuweit

Die S-Bahn macht Ernst: Bereits Ende des Jahres soll es auf den 27 Bahnhöfen der Ringbahn keine Aufsichten mehr geben, die Züge abfertigen. Diese Aufgabe müssen dann – wie bereits bei der U-Bahn praktiziert – die Triebfahrzeugführer selbst übernehmen. Bis Ende 2010 will die S-Bahn, wie berichtet, ihr gesamtes Netz mit allen 165 Stationen umgestellt haben. Stammaufsichten wird es dann nur noch auf 21 großen Bahnhöfen geben. Auf dem Ring sind es Gesundbrunnen, Ostkreuz, Südkreuz und Westkreuz. Insgesamt sollen bei der S-Bahn in den nächsten Jahren 860 Stellen wegfallen.

Schon seit Jahren experimentiert die S-Bahn mit der Abfertigung der Züge durch die Fahrer. Während die BVG bei der U-Bahn dafür auch Spiegel einsetzt, die auf den Bahnsteigen stehen, sollen bei der S-Bahn die Fahrer den Zug vor der Abfahrt per Kamera kontrollieren. Nach großen Schwierigkeiten bei einem Test vor Jahren auf der S 1, erprobte die S-Bahn im vorigen Jahr ein neues System auf dem Südring zwischen den Bahnhöfen Köllnische Heide und Schöneberg. Nach Angaben von S-Bahn- Sprecher Gisbert Gahler hat der Test gezeigt, dass das System sicher funktioniere und nun generell eingeführt werden könne.

Rund 43 Millionen Euro wird die S-Bahn für das komplette betriebliche Informationssystem, zu dem auch die elektronischen Zielanzeiger und ein Auskunftssystem für die Fahrgäste gehören, ausgeben. Während Verkehrspolitiker wie Claudia Hämmerling von den Grünen befürchten, dass zumindest die „gefühlte Unsicherheit“ in den Abend- und Nachtstunden zunehme, wenn Bahnhöfe ohne Aufsichten sind, erhöht sich nach Ansicht Gahlers durch das neue System sogar die Sicherheit. Stationen würden per Kamera überwacht, und rund um die Uhr seien mobile Teams unterwegs, die überall angesprochen werden könnten. Die heutigen Aufsichten bleiben dagegen in oder unmittelbar vor ihren Abfertigungsgebäuden.

Derzeit sind nach Gahlers Angaben etwa 700 Mitarbeiter mit der Abfertigung beschäftigt; am Schluss sollen davon etwa 260 übrig bleiben.

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