Berlin : S-Bahn schaltet auf Notbetrieb

Lokführer streiken bis 24 Uhr. Regionalverkehr ebenfalls beeinträchtigt. Arbeitgeber erwarten Pünktlichkeit von den Angestellten

Klaus Kurpjuweit

Rechnerisch sind heute rund 1,5 Millionen Berliner, Brandenburger und Touristen vom Streik bei der Bahn betroffen – 1,4 Millionen Fahrten gibt es täglich bei der S-Bahn und rund 122 000 bei der Regionalbahn. Noch bis 24 Uhr streiken die in der Gewerkschaft der deutschen Lokomotivführer (GdL) organisierten Bahn- Mitarbeiter. Der Bahnkonzern versucht, mit anderen Kollegen einen Notbetrieb aufrechtzuerhalten. Organisieren lasse dies sich aber nicht mehr, weil dafür 24 Stunden Zeit erforderlich seien, sagte ein Bahnsprecher. Dies war zuletzt beim Streik am vergangenen Freitag zum Teil gelungen. Vor einer Woche hatten die GdL-Mitarbeiter die Arbeit aber auch nur für drei Stunden – zwischen 8 Uhr und 11 Uhr – eingestellt.

Die meisten Arbeitgeber erwarten, dass die Beschäftigten, die gewöhnlich mit Regionalzügen oder der S-Bahn zur Arbeit fahren, heute trotzdem einigermaßen pünktlich zur Arbeit erscheinen. Bei den mehrfachen Streiks, die es in den vergangenen Wochen gegeben hatte, sei die Mehrzahl der Mitarbeiter rechtzeitig gekommen, sagte die Berliner Sprecherin von Siemens, Ilona Thede. Der Konzern ist mit 12 500 Mitarbeitern der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt.

Flexibel seien vor allem Mitarbeiter in der Verwaltung, die eine gleitende Arbeitszeit haben. Verspätungen am Morgen könnten so durch ein längeres Arbeiten am Nachmittag ausgeglichen werden. Auch der Bahn-Konzern erwartet nach Angaben eines Sprechers, dass seine Mitarbeiter zur Dienststelle kommen, selbst wenn die „eigenen“ Züge nicht fahren.

Wer absehen kann, dass er nicht pünktlich den Arbeitsplatz erreichen kann, sollte sofort den Arbeitgeber informieren, sagte ein Arbeitsrechtler. Grundsätzlich sei ein Arbeitnehmer verpflichtet, bei einem Streik sich einen alternativen Weg zum Arbeitsplatz zu organisieren. Wer zu spät komme, habe für die ausgefallene Zeit keinen Anspruch auf Lohn oder Gehalt. Erreichten Beschäftigte aus einem Wohngebiet zu völlig unterschiedlichen Zeiten den Arbeitsplatz, sei für den Zuspätkommer auch eine Abmahnung möglich. Eine Kündigung sei aber nicht gerechtfertigt. Nicht zumutbar sei es für Arbeitnehmer, sich bereits vor Streikbeginn um 2 Uhr auf den Weg zu machen und vielleicht in einem Zelt in der Nähe des Arbeitsplatzes zu übernachten.

In Fernverkehr sollen die Züge weiter fahren. Hier rächt sich jetzt, dass die Bahn den Stopp am Bahnhof Zoo aufgegeben hat. Dieser Bahnhof ist bestens mit der U-Bahn und Bussen der BVG zu erreichen. Zum Hauptbahnhof gelangen die meisten Fahrgäste dagegen nur mit der S-Bahn oder Regionalzügen, die heute nicht fahren. Die Fernzüge will die Bahn aber nicht für Fahrten im Nahverkehr freigeben. Auch zusätzliche Halte für Kunden im Nahverkehr seien daher nicht geplant, sagte ein Sprecher.

Im Zentrum ist es meist möglich, sein Ziel auch mit der BVG zu erreichen. Allerdings meist nur auf Umwegen, weil Parallelfahrten zur S-Bahn weitgehend abgeschafft worden sind. Pendler aus dem Umland, etwa aus Erkner, haben dagegen im Nahverkehr kaum eine Alternative. Auch der Anschluss von Potsdam basiert weitgehend auf den Regional- und S-Bahn-Verbindungen.

Während dort nur noch wenig geht, werden die Zufahrtsstraßen nach Berlin wohl wieder sehr voll werden. Bei den ersten Streiks mussten sogar Autobahnzufahrten gesperrt werden.

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