S-Bahn-Verkehr : Potsdam abgekoppelt

Kompletter Zugausfall zwischen Berlin und Potsdam: Ein Stellwerksausfall unterbrach S-Bahn- und Regionalverkehr gleichzeitig – eineinhalb Stunden ging nichts.

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Stehender Verkehr. Fahrgäste der Bahn mussten auch am Montag wieder länger warten.
Stehender Verkehr. Fahrgäste der Bahn mussten auch am Montag wieder länger warten.Foto: dapd

Es war schlimmer als bei einem Streik: Völlig überrascht wurden am Montagnachmittag tausende von Fahrgästen von einem kompletten Zugausfall zwischen Berlin und Potsdam. Nach einer Stellwerkspanne konnten ab 14.30 Uhr bis gegen 16 Uhr weder S-Bahnen noch Regionalzüge fahren. Auf den Stationen, wo die Züge vorzeitig ihre Fahrt beenden mussten, war das Durcheinander groß.

„An einen solchen Ausfall kann ich mich nicht erinnern“, sagte ein Eisenbahner. In den Stellwerken komme es zwar immer wieder zu Störungen, in der Regel sei dann aber entweder nur die S-Bahn oder lediglich der Fern- und Regionalverkehr betroffen. Dass das System in beiden Bereichen gleichzeitig ausfalle, sei sehr ungewöhnlich.

Ob der Ausfall mit Arbeiten an der Stromversorgung zusammenhing, die es am Montag gegeben hatte, ist noch nicht klar. Nicht ausgeschlossen wurde, dass es einen gezielten Anschlag gegeben hat. Zuletzt hatte Anfang November ein Brandanschlag auf einen Kabelschacht in Neukölln den S-Bahnverkehr in diesem Bereich unterbrochen. Zudem war durch den Anschlag zeitweise die Telefonanlage im Bahntower am Potsdamer Platz lahmgelegt.

Bei den Stellwerken hat die Bahn die alten mechanischen Anlagen fast überall durch moderne elektronische Technik ersetzt, die zentral gesteuert wird. Kommt es zu einem Ausfall, ist meist ein großer Teil des Netzes betroffen. Bei den alten Stellwerken, die jeweils nur einen kleinen Bereich bedienen konnten, war ein Ausfall dagegen meist örtlich begrenzt.

Bei der S-Bahn war am Montag der Verkehr auf der S 7 zwischen Westkreuz und Potsdam sowie auf der S 1 zwischen Zehlendorf und Wannsee unterbrochen. Im Regionalverkehr mussten die Züge der nachfragestärksten Linie RE 1 (Magdeburg-Eisenhüttenstadt) jeweils in Potsdam Hauptbahnhof oder Zoo ihre Fahrt unterbrechen; auch die RE 7 (Dessau-Wünsdorf-Waldstadt) konnte nicht zwischen Zoo und Michendorf fahren.

Fahrgäste, die es eilig hatten, konnten nur mit einem Taxi weiterkommen. Da es parallele Busverbindungen bis auf wenige Ausnahmen nicht gibt, war ein Ausweichen auf Busse meist nur mit mehrmaligem Umsteigen möglich, was die Fahrtzeiten verlängerte.

Die Bahn versuchte, einen eigenen Ersatzverkehr mit Bussen zu organisieren, was allerdings nicht gelang. Derzeit gibt es kaum Reserven, weil die BVG wegen ihres Wagenmangels bereits Fahrzeuge von anderen Betrieben mieten musste.

Auch nach der Wiederaufnahme der Fahrten blieb es bei Verspätungen. Die Fahrtzeiten verlängerten sich nach Angaben eines Sprechers um bis zu einer halten Stunde.

Unabhängig vom Stellwerksausfall führte eine Weichenstörung in Lichtenberg zu Beeinträchtigungen bei der S-Bahn. Auf der Linie S 75 (Wartenberg–Spandau) konnten die Züge deshalb nur alle 20 statt alle zehn Minuten fahren.

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